Gier ist Geil

Jan Klata inszeniert in Lodz «Das Gelobte Land» als drastische Version nach Wladyslaw Reymont

Theater heute - Logo

Wer noch einmal eine bizarre Industriebrache in den Dimensionen des Ruhrgebiets oder Mittelenglands erleben möchte, der sollte sich ins zentralpolnische Lodz begeben. Über hundert Jahre qualmten hier die Schlote über gigantischen Textilfabriken, bis mit dem Zusam­menbruch des Ostblockmarkts 1990 praktisch über Nacht Schluss war. «The freedom to go bankrupt» bewirbt die schrumpfende Stadt mit verbissener Ironie ihre Kandidatur als Kulturhauptstadt 2016.

Das «Festival der vier Kulturen» erinnert indes an die multi­ethnische Vergangenheit, in der die bis 1918 zu Russland gehörende Textilmetropole zum Manchester des Ostens aufstieg, und vergab dafür einen Inszenierungsauftrag an Polens kontroversesten Regisseur Jan Klata und das Teatr Polski in Wroclaw. 

 

Im Oligarchen-Paradies

Reymonts Roman «Das Gelobte Land» (1899) thematisiert vor allem das rücksichtsloseste Profitmachen in einer Art Oligarchen-Paradies. Mit der Industriearbeit wurden unglaubliche Reichtümer aufgehäuft, die wahrhafte Paläste neben Slumquartieren entstehen ließen; ging es mit den Gewinnen einmal abwärts, wurde die Fabrik als Versicherungsbetrug einfach abgefackelt. Im Kern erzählt Reymont jedoch die Geschichte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2009
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Avantgarde! Subversion! Testosteron!

Auch wenn es nicht immer danach aussieht, hat das Theaterkritikerleben durchaus seine angenehmen Seiten. Was bis dato allerdings wirklich nicht dazu gehörte, ist ein chronisch erhöhter mentaler Wellness-Faktor.

 

Mit meinem Eintritt in die Jury des Impulse-Festivals vor zwei Jahren hat sich das fundamental geändert. Während sich zum Beispiel das Auswahlgremium fürs...

Hand und Bocksfuß

Eine Frage, die man sich im Alltag öfter stellen sollte: Wann ist uns eigentlich das letzte Mal der gehörnte Gott Pan begegnet? Als Bronze im Museum? Verstaubt im griechischen Mythenschmöker? Oder, sinniert das britische Kulttrio Improbable Theatre, steckt seine subversive Kraft in uns allen? Auf Spurensuche in manch vielversprechender Londoner Premiere der letzten...

Fünf Gründe für die Deutsche Bahn

Das wichtigste Requisit des folgenden Textes ist die Mobility Bahncard 100. Die kleine schwarze Karte ist der Rolls Royce unter den Bahncards; nichts für Pendler oder Vielfahrer, eher für Süchtige und Nomaden. Mit ihr kann man, so die Bahn, «einfach einsteigen und losfahren». Zug-Junkies zahlen schlappe 3.650 Euro im Jahr (oder 335 im monatlichen Abo), um permanent...