Avantgarde! Subversion! Testosteron!
Auch wenn es nicht immer danach aussieht, hat das Theaterkritikerleben durchaus seine angenehmen Seiten. Was bis dato allerdings wirklich nicht dazu gehörte, ist ein chronisch erhöhter mentaler Wellness-Faktor.
Mit meinem Eintritt in die Jury des Impulse-Festivals vor zwei Jahren hat sich das fundamental geändert.
Während sich zum Beispiel das Auswahlgremium fürs Theatertreffen kaum, dass die Berliner Festspiele die Liste rundgemailt haben, auf Schritt und Tritt für nie wieder gut zu machende Versäumnisse und noch schwerer wiegende Geschmacksverirrungen zu rechtfertigen hat, schlugen mir nach Bekanntgabe des Impulse-Programms aus der Kollegenschaft verdächtig warmherzige Töne entgegen. «Total interessante Auswahl», «superspannend», «da muss ich echt mal nach NRW» – mit anderen Worten: Die professionelle Komplimentenkette wollte gar nicht mehr abreißen.
Mit minimalem investigativen Aufwand konnte der außergewöhnliche Vorgang schnell geklärt werden: Jenseits von Szene-übergreifenden Künstlern wie Hans-Werner Kroesinger oder Gob Squad fielen – ähnlich wie mir vor zwei Jahren – den Kollegen einfach gar nicht genügend Alternativen aus dem freien Betrieb ein, um ein ernsthaftes ...
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Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn...
Endlich mal kein Abend nach Maß, sondern mit Übermaß! Im Saal dröhnen die Unmutsäußerungen: «Das ist doch kein Theater!» Zwei Drittel des Publikums verlassen die Aufführung vor der Zeit. Und das am eigentlich durch Experimentaltheater gestählten HAU2 des Hebbel-am-Ufer in Berlin!
Was war das für ein Auftakt für das 3. Nordwind-Festival: Die Ibsen-Travestie «Ein...
Mal angenommen, die Personnage erklärte sich mit dem Komödienfinale à la Eugène Labiche nicht einverstanden. Der Galan der Ehefrau würde selbige also nicht wieder hergeben, der düpierte Ehemann wäre nicht so blöd, sich hinters Licht führen zu lassen, das Pferd des Privatiers Fadinard fräße auch den nächsten Florentinerhut oder der taube Onkel Vézinet bestünde...
