Getränkt von dunkelsten Geschichten
«Ich muss lesen, die ganze Vergangenheit wartet auf mich»
«Wo wohnen Sie, Madame?»
Die Protagonistin hat keinen Namen. Sie kommt als junge Schauspielerin nach Deutschland, «die sechs Putzfrauenrollen spielen und viele Bücher schreiben» und «am Ende geschlachtet» wird. Sie wohnt in Benno Besson, den sie «Meister Besson» und «mein Land» nennt. Sie wohnt in dem kaputten Bein einer Spinne, die sie in der Nacht, in der Besson eingeäschert wird, in ihrer Badewanne findet und der sie beim Heraustragen ein Bein rausreißt.
Sie wohnt in Tina Turner, zu deren Konzert sie mit Elaine geht, der «schwarzen amerikanischen Sängerin», die Heiner Müller für das Stück «Der Auftrag» engagiert hat. Sie wohnt in Wolfgang Hilbig, ihrem Lieblingsdichter, wohnt in einem schönen Apfel und in Matthias Langhoff und ist darüber traurig, «dass Deutschland seine Toten durch die Nazis verloren hat, so wie Else Lasker-Schüler, Walter Benjamin, aber wenigstens Brecht ist hier begraben – und Langhoffs Vater und Mutter».
Paris, nicht Berlin
Mit ihrem jüngsten Roman «Ein vom Schatten begrenzter Raum» knüpft Emine Sevgi Özdamar sowohl an ihren Bildungsroman «Die Brücke vom Goldenen Horn» aus dem Jahr 1998 an als auch ...
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Theater heute März 2022
Rubrik: Buch, Seite 32
von Nesrin Tanç
Herbert Achternbusch war nicht einfach, und er hat es auch niemandem einfach gemacht. 1938 als unehelicher Sohn im stockkatholischen Bayern geboren, von der Mutter umstände-, aber teilweise wohl auch empfindungshalber zu den Großeltern im ärmlichen Bayerwald gegeben und dort aufgewachsen. Die Mutter, die sich als Sport-, Schwimm- und Tennislehrerin in München...
Der Berg ruft! Wenn das stimmt, dann hat das Theater bisher gut weggehört. Das Bergsteigerdrama hat sich nur im Kino durchgesetzt, und auch da hat das Genre schon bessere Zeiten gesehen. Umso erstaunlicher, dass die österreichische Dramatikerin Teresa Dopler ein Stück vorgelegt hat, das tatsächlich von Bergsteigern in den Alpen handelt. Luis-Trenker-Nostalgiker...
Braucht eine Geschichte einen Autor? Oder gleich mehrere? Eltern vielleicht, wie ein Kind, Onkel, Tanten, Großmütter, Großväter? «Er hat eine Geschichte zu erzählen – sie schlägt Krach in ihm, sie will raus», ruft einer der Jungs, die sich zu Beginn dieses langen Theatertrips auf der Bühne des Residenztheaters zusammenfinden, alle ganz in Schwarz und mit Büchern...
