Geschichten vom Franz
Der oberösterreichische Dichter Franz Stelz -hamer (1802–1874) war so populär, dass nach seinem Tod zahlreiche Straßen nach ihm benannt und zwei Denkmäler gesetzt wurden. Hermann Bahr hat sogar ein Stelzhamer-Drama («Der Franzl», 1900) verfasst. In einem von Stelzhamer selbst und selbstbewusst erstellten Poeten-Ranking belegte er hinter Homer, Shakespeare, Calderon, Dante und Goethe den guten sechsten Platz. Das sieht die Nachwelt inzwischen anders; wenn heute noch von Stelzhamer die Rede ist, dann hauptsächlich aus zwei Gründen.
Erstens, weil sein Dialektgedicht «Hoamat -gsang» seit 1952 der Text der oberösterreichi -schen Landeshymne ist. Und zweitens, weil in den vergangenen Jahren immer genauer auf die antisemitische Schlagseite seines Werks geblickt wurde.
Besonders der 1852 veröffentlichte Aufsatz «Jude» hat es diesbezüglich in sich. Die Juden werden darin mit einem «Riesenbandwurm» verglichen, der abgetrieben werden müsse. «Demnach sanktioniert Stelzhamer vermutlich als erster österreichischer Dichter auf metaphorischer Ebene die globale Vernichtung der Juden», konstatierte die Germanistin Silvia Bengesser 2014 in einem Vortrag, der im Programmheft zu «Das unschuldige Werk» ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek
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