Spuren der Gewalt
Schön ist schlimm, und schlimm ist schön.» Die Umwertung aller Werte steht am Anfang von Shakespeares Mörder -drama «Macbeth». Drei Hexen sprechen den seltsam symmetrischen Satz, den Johan Simons zum Konzept seiner Bochumer Inszenierung macht: Jens Harzer, Marina Galic und Stefan Hunstein stehen zu Anfang in schwarzen Smokings, Fliegen und weißen Hemden auf der Bühne; am Ende werden sie wieder dort landen. Dazwischen aber, bevor der Kreis sich schließt, verliert das Publikum jede Orientierung zwischen Tragödie und Komödie.
Die Bühne von Nadja Sofie Eller ist mit zartem Delfter Blau gekachelt. Zwei Bänke und ein Becken wecken Assoziationen an Bäder, Boudoirs, Schlachthäuser. Hier werden Körper in ihrer Materialität erfahrbar, allerdings nur im permanenten Als-ob. Aus dem Hexentalk der drei entwickelt sich ein kühl-frivoles, hochstilisiertes Verwandlungsspiel, bei dem Galic und Harzer virtuos von einer Rolle in die andere fallen und so die Spielräume der Macht erforschen: Erotik, Gier, Rausch, Lächerlichkeit. Stefan Hunstein bleibt stummer Mitläufer und Aufhetzer, drängt sich im Bett zwischen die beiden, sitzt ihnen buchstäblich im Nacken und gießt aus einem Silberkännchen ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Best of, Seite 21
von Eva Behrendt
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