Geschichte von unten

Das Münchner Residenztheater erklärt mit der Uraufführung von Ewald Palmetshofers Shakespeare-Überschreibung «Sankt Falstaff» die Disruptionen der Gegenwart, während die Münchner Kammerspiele mit «Oh Schreck!» von Jan-Christoph Gockel im eigenen Haus auf Vampir-Jagd gehen

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Shakespeares Königsdramen mögen nicht gerade auf die Analyse demokratischer Systeme ausgelegt sein, aber sie zeigen sehr genau die Verwerfungen an den Bruchkanten der Macht, da, wo es knirscht, wenn nicht von vorneherein feststeht, welche räuberische Strategie aufgeht und welche illegitime Linie sich fort- und festsetzt. Kein schlechtes Modell also doch, um sich mal auszumalen, auf was wir so zusteuern, wenn wirklich alle Brandmauern gefallen, denkbare Koalitionen zerschlissen und das parlamentarische System tatsächlich vor dem Ansturm populistischer Kräfte zusammengebrochen wäre.

Was also, wenn einst alles verloren sein wird, wofür wir jetzt nicht genügend Kräfte mobilisieren?

«… der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht / und die Demokratie zur Urne, bis ... ja, was?» fragt scheinheilig der «Quasi-König» Heinz zu Beginn von «Sankt Falstaff». Auf der Folie von Shakespeares «King Henry IV» erzählt Ewald Palmetshofer die brandak -tuelle Geschichte einer Gesellschaft jenseits des Abgrunds, in den hier bereits alles gestürzt ist, wofür zu kämpfen es sich gelohnt hätte. Das erste neue Stück von Palmetshofer seit dem etwas eigenbrödlerischen Neurosen-Reigen «Die Verlorenen», ...

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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen

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