Geschichte von unten
Shakespeares Königsdramen mögen nicht gerade auf die Analyse demokratischer Systeme ausgelegt sein, aber sie zeigen sehr genau die Verwerfungen an den Bruchkanten der Macht, da, wo es knirscht, wenn nicht von vorneherein feststeht, welche räuberische Strategie aufgeht und welche illegitime Linie sich fort- und festsetzt. Kein schlechtes Modell also doch, um sich mal auszumalen, auf was wir so zusteuern, wenn wirklich alle Brandmauern gefallen, denkbare Koalitionen zerschlissen und das parlamentarische System tatsächlich vor dem Ansturm populistischer Kräfte zusammengebrochen wäre.
Was also, wenn einst alles verloren sein wird, wofür wir jetzt nicht genügend Kräfte mobilisieren?
«… der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht / und die Demokratie zur Urne, bis ... ja, was?» fragt scheinheilig der «Quasi-König» Heinz zu Beginn von «Sankt Falstaff». Auf der Folie von Shakespeares «King Henry IV» erzählt Ewald Palmetshofer die brandak -tuelle Geschichte einer Gesellschaft jenseits des Abgrunds, in den hier bereits alles gestürzt ist, wofür zu kämpfen es sich gelohnt hätte. Das erste neue Stück von Palmetshofer seit dem etwas eigenbrödlerischen Neurosen-Reigen «Die Verlorenen», ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen
Am Ende lösen sich die Konturen der drei «Staubfrauen» auf in einer schier endlosen Liste von gewaltsam getö -teten Frauen. Manchmal drei oder vier pro Monat, allein in der Schweiz. Im Video fließen die Namen der Frauen über die an die Wand gekauerten Darstellerinnen, die Alter, die sie erreicht haben, die Schweizer Dörfer und Städte, in denen sie gelebt haben....
Theater heute Nino Haratischwili, Sie haben eine große Solidaritätsaktion mit den Demonstrierenden in Georgien ins Leben gerufen, Gratulation! Etwa zwei Dutzend große deutsche Theater haben sich beteiligt und aus «Sacred Monsters» gelesen, gewidmet der Unterstützung der regimekritischen Demonstrationen für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit, die von der...
Auf dem dunklen Gold der Bühne von Christin Treunert liegt Patina. Die (beweglichen) Wände wirken wie ein vergilbter Spiegelsaal mit jetzt stumpfen, angelaufenen Flächen. Vom Schnürboden schweben wahlweise Kronleuchter oder Discokugeln herab, doch alles liegt wie unter Mehltau. Ein wenig schwülstig, aber zugleich mit postapokalyptischer Lost-Place-Anmutung. Das...
