Geschichte von unten
Shakespeares Königsdramen mögen nicht gerade auf die Analyse demokratischer Systeme ausgelegt sein, aber sie zeigen sehr genau die Verwerfungen an den Bruchkanten der Macht, da, wo es knirscht, wenn nicht von vorneherein feststeht, welche räuberische Strategie aufgeht und welche illegitime Linie sich fort- und festsetzt. Kein schlechtes Modell also doch, um sich mal auszumalen, auf was wir so zusteuern, wenn wirklich alle Brandmauern gefallen, denkbare Koalitionen zerschlissen und das parlamentarische System tatsächlich vor dem Ansturm populistischer Kräfte zusammengebrochen wäre.
Was also, wenn einst alles verloren sein wird, wofür wir jetzt nicht genügend Kräfte mobilisieren?
«… der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht / und die Demokratie zur Urne, bis ... ja, was?» fragt scheinheilig der «Quasi-König» Heinz zu Beginn von «Sankt Falstaff». Auf der Folie von Shakespeares «King Henry IV» erzählt Ewald Palmetshofer die brandak -tuelle Geschichte einer Gesellschaft jenseits des Abgrunds, in den hier bereits alles gestürzt ist, wofür zu kämpfen es sich gelohnt hätte. Das erste neue Stück von Palmetshofer seit dem etwas eigenbrödlerischen Neurosen-Reigen «Die Verlorenen», ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen
Eine solche Stimmung erlebt man selten im Theater. Kaum erklingen auf der Bühne die ersten Töne eines türkischen Liedes, klatscht das Publikum begeistert mit, singt, pfeift und filmt mit dem Handy. Istanbul, «ein musikalischer Abend» von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Sipal am Schauspiel Essen, schafft es, auch die Menschen zu erreichen, deren...
Alles ist verbrannt. Alles Asche. Das habe ich schon vorausgesehen.» Hat sie tatsächlich. Wer die Bilder der brennenden Vororte von Los Angeles gesehen hat, die abgefackelte Traumvilla der Hotelkettenerbin in Malibu oder die verkohlten Prunkresidenzen von Pacific Palisades, aber auch das ganz normale Suburbia von Altadena, Straßenzüge um Straßenzüge in Schutt und...
Karin liebt Paul, doch der begeht Republikflucht. Einfach von seiner ersten großen Liebe sitzen gelassen zu werden, ist alleine schon schlimm. Noch schlimmer ist es, wenn man in der DDR aufwächst und man danach die Stasi an der Backe hat, wie es in «Gittersee» der Fall ist, einer Inszenierung von Leonie Rebentisch im Neuen Haus des Berliner Ensembles.
Die Bühne,...
