Gequetschte Körper
Ungefähr zur Pause ist dann die Luft raus. Aus der mittelgroßen Hüpfburg, die einen Gutteil der Bühne im Kleinen Haus des Bremer Theaters einnimmt und nach 90 Minuten leise zischend in sich zusammensackt. Aber auch aus Anne Sophie Domenz’ Uraufführung von Thomas Melles «3000 Euro», die bis zu diesem Punkt einen ganz eigenen Blick auf die Vorlage hat und dann ein wenig den Fokus verliert.
Melles Roman wird aktuell mehrfach für die Bühne adaptiert, aus nachvollziehbaren Gründen: «3000 Euro» verbindet eine hoffnungslose und entsprechend berührende Liebesgeschichte mit genauer Beobachtung sozialer Verwerfungen und einer grundsätzlich theaterspezifischen Analyse des voyeuristischen Blicks. Der in die Obdachlosigkeit abgerutschte Ex-Student Anton, dem rund 3000 Euro fehlen, um wieder halbwegs Fuß zu fassen, und die Supermarktverkäuferin Denise, die in einem Amateurporno mitspielt, um sich und ihrer Tochter eine New-York-Reise zu finanzieren, und die für besagten Pornodreh exakt 3000 Euro in Aussicht gestellt bekommt – das ist eine unwahrscheinliche, aber berührende Kopplung, und, ja, der Kampf der Figuren darum, die aufkeimende Liebe nicht durch den im Raum stehenden Geldbetrag ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Falk Schreiber
«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Revolvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...
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Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Gedanken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie kennen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die...
