Stimmen im Kopf
Man sollte mal wieder Hannah Arendt lesen. Danke, Programmheft des Hamburger Schauspielhauses. In dem stehen zur Begleitung von Karin Henkels Dostojewski-Inszenierung «Schuld und Sühne» Auszüge aus einer Vorlesung, die sie 1965 in New York hielt: über die Notwendigkeit des Selbstgesprächs zur Konstituierung als Person. Nur wer mit dem Anderen in sich selbst spricht, kann ein Ganzer werden. Und nur er kann sich erinnern und damit ein zivilisierter Teil der Gesellschaft sein. Denn «die größten Übeltäter sind jene, die sich nicht erinnern ...
, ohne Erinnerung kann sie nichts zurückhalten.»
In Karin Henkels Inszenierung ist es nicht nur ein Dialogpartner, der im Kopf des Mörders Raskolnikow herumspukt und ihn daran hindert, sich die Ermordung der gierigen Pfandleiherin und ihrer Schwester als die notwendige und legitime Tat eines Außerordentlichen schönzureden, der ein Prinzip und keine Menschen getötet habe. Schon bei der Inszenierung des ersten «Schuld»-Teils im Februar 2014 hatte Karin Henkel Raskolnikow auf sechs Körper und Stimmen verteilt, damals noch als ironischer Kommentar auf die Vorläufigkeit der Dostojewski-Halbierung, die der Lahmlegung der großen Bühne durch den ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Barbara Burckhardt
Natürlich ist die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter irrsinnig berühmt. Also noch viel berühmter als der schwedische ESC-Sieger. Und natürlich hat Christoph Marthaler eine seit Jahrzehnten gut gefüllte Zaubertrickkiste, aus der man immer mal wieder schnell ein paar Sächelchen zu einem Abend zusammenklauben kann. Und dann kann man ein paar...
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Sie möchte mir ihr Kind schenken. Die Dame hat mich immer wieder im Treppenhaus getroffen, sagt sie, und sie scheint einen guten Eindruck von mir zu haben. «Ich kenne Sie», meint sie. «Sie haben so viel Liebe zu geben», sagt sie zu mir. «Und ich kann noch viele Kinder bekommen.»
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