Generationswechsel: Die unsterbliche DNA
Den Ausschlag könnte der «Kreidekreis» gegeben haben, den Armin Petras fürs Grips Theater in ein Krankenhaus verlegt hat und den erwachsene Schauspieler und Kinder gemeinsam spielten: als eine Parabel über klammernde Eltern und sich selbst ermächtigende Kinder. Bei einer Vorstellung im Februar, morgens um 11 Uhr, konnte man zwischen den Kinderscharen im Podewil, der zweiten Spielstätte des Gripstheaters, Grips-Gründer und -Geschäftsführer Volker Ludwig entdecken, mit sorgendurchfurchter Miene.
Die Premiere der formal kompliziert auf verschiedenen Erzählebenen angesiedelten Brecht-Paraphrase hatte seine seit drei Jahren immer wieder artikulierten Befürchtungen, der von ihm selbst berufene Nachfolger Stefan Fischer-Fels überfordere seine jungen Zuschauer, mal wieder wachgerufen. Jetzt suchte er Bestätigung, und er fand sie: Das Publikum, zugelassen ab 11 Jahre, langweilte sich demonstrativ und stieg spätestens bei der zweiten Meta-Ebene unüberseh- und hörbar aus.
Der Konflikt zwischen Ludwig und seinem Nachfolger schwelte von Anfang an. Ein knappes Jahr nach seinem Dienstantritt hatte Fischer-Fels, der von 1993 bis 2003 bereits als Dramaturg am Grips gearbeitet hatte, in einem ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Weitschweifig holt Chronist Gerrit Jansen in spießiger Buchhalter-Kluft vor dem großen Bühnenkarton aus, um die Wurzeln von Parzivals Menschwerdung zu klären. Ausgiebig werden die rastlosen Abenteuer seines flatterhaften Vaters Gahmuret erzählt, den es stets von den Frauen weg- trieb, ehe noch die Kinder geboren wurden. Erst nach und nach illustrieren leicht...
Alvis Hermanis mag die Menschen nicht, wie sie so vor ihm stehen. Er mag sie nur verfremdet. Über Umwege. Mit extremen Masken. Alt. Uralt. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen nach seinem «Kaspar Hauser» 2013 und seinen «Schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper» 2015 im Zürcher Schiffbau. Beim Hauser baute er Kinder in Greise um und hängte sie an...
Hier regiert ordentlichste Bürgerschrecklichkeit: Die Manuskript-«Reinschrift auf Bütten» ist Frank Castorfs Text- und Verhandlungsgrundlage seiner fünfstündigen Hamburger Hans-Henny-Jahnn-Bewältigung, die die 186 Manuskript-Seiten etwas gestrafft und nur mit minimalen Einschüben zu Gehör bringt. Wobei «Reinschrift auf Bütten» Jahnns Grundspannung schön auf den...
