Geknickte Schatten
Schuhe aus Beton muss Fandra Fatale tragen, damit sie nicht den Boden unter den Füßen verliert und endlich ihr Leben meistern kann. Albert Wegelin erinnert an Hermann Melvilles Bartleby und sein «Ich möchte lieber nicht» und wird doch ohne sein Zutun plötzlich ein mutiger Wut-Bürger. Der fette Karl Klotz ist in eine schwerelose Seiltänzerin verliebt. Herr Kleinmann, Bumke, Mo und Po. Die Figuren, die der Autor Lukas Linder erschafft, verlassen einen nicht mehr, wenn man ihnen erst einmal in einem seiner Texte begegnet ist. So auch Heinrich Walter Nichts.
Also eigentlich heißt er Heinrich Walter Frank. Und er ist Boxer. Genannt «Die Nase». Zumindest am Beginn der Geschichte, die Lukas Linder in seinem Stück «Die zweieinhalb Leben des Heinrich Walter Nichts», das am Schauspiel Leipzig seine Uraufführung erleben wird, erzählt. Wie es dazu kam, lässt uns der Autor in Rückblenden nachvollziehen, von seiner Kindheit an.
Der kleine Heinrich Walter Frank ist ein Außenseiter. Selbst sein Schatten sitzt geknickt in der Ecke, wenn wieder einmal jemand auf ihn eingeprügelt hat. Auf Anraten besorgter Lehrer versucht sein verschrobener Vater, ihm zu ein wenig Gesellschaft zu verhelfen. Doch das ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 187
von Esther Holland-Merten
Als mich die Anfrage zu diesem Thema erreichte, erschrak ich zunächst, denn in über 15 Jahren Leitungsverantwortung an nicht idealen Theatern hatte ich nie mehr darüber nachdenken können, was ideal wäre. Sondern immer nur darüber, wie Optimales im
Unidealen zu schaffen sei. Umso neugieriger war ich auf meine eigenen Wünsche. Diese sind seit mehreren...
Anna Jablonskajas «Familienszenen» handeln vom Krieg. Vom Kriegsheimkehrer Nikolaj, der als Offizier fünf Jahre an verschiedenen Krisenschauplätzen im Einsatz war und nun mit einem posttraumatischen Stresssyndrom in den Schoß der Familie, zu seiner Frau Irina und Sohn Wanja, zurückkehrt – Familienszenen.
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Eine der beglückendsten Lektüren der letzten Jahre war für mich die von John Alec Bakers «The Peregrine» über ein Wanderfalkenpaar im Osten Englands. Baker, der die Falken drei Jahreszeiten lang beobachtete, beschreibt sie mit so leidenschaftlicher Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, er identifiziert sich mit ihnen, verschmilzt mit ihnen und beginnt, die Welt von...
