Geht nicht, gibt es nicht
Als mich die Anfrage zu diesem Thema erreichte, erschrak ich zunächst, denn in über 15 Jahren Leitungsverantwortung an nicht idealen Theatern hatte ich nie mehr darüber nachdenken können, was ideal wäre. Sondern immer nur darüber, wie Optimales im
Unidealen zu schaffen sei. Umso neugieriger war ich auf meine eigenen Wünsche. Diese sind seit mehreren Vorbereitungsmonaten in Rostock in vielem entgegengesetzt zu meiner tagtäglichen Realität.
Ein inniger Wunsch wäre, nicht mehr die Bedrückung aushalten zu müssen, ob die gewollte Kunst überhaupt machbar ist für das vorhandene Geld – oder ob die Kunst überhaupt gewollt ist in der Stadt, in dem Bundesland. Inszenieren zu dürfen mit Muße, Ruhe, Zeit, solch ein Arbeiten ist mir seit meinen Jahren am Deutschen Theater Berlin gar nicht mehr erinnerlich.
Dass aus materiellem Mangel mit viel Fantasie und einer motivierten Belegschaft poetischer Reichtum kreiert werden kann, haben wir in Senftenberg bewiesen, und das werden wir auch in Rostock tun. Allerdings stellt sich immer drängender die Frage, halten das meine Mitarbeiter, und wie lange halte ich das aus – und durch? Reproduzieren Idealismus, Selbstausbeutung, Verzicht, um der ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 34
von Sewan Latchinian
Großes Gedränge bei den Stücken des Jahres! Knapp die Nase vorn hat Sibylle Bergs
«Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» über das sprachstark einbildungsreiche, doch ereignisarme Leben eines Berliner Mitte-Hipster-Girlies.
Ausländischer Autor ist Martin Crimp, der mit «Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino» und «In der Republik des Glücks» für neue Impulse...
Bisher standen Publikumsgespräche ja nicht unbedingt im Verdacht, zu den kontroversesten Genres des Bühnen-Business zu gehören. Zumindest nicht unter den beteiligten Schauspielern: Man gibt kollektiv Auskunft, wie man die schieren Textmassen bewältigt, welcher Inspirationsquellen man sich bedient oder womit man – im aufregendsten Fall – den Regisseur getriezt hat;...
Von allem das Beste! 44 Kritiker haben wie jedes Jahr gedacht, gerungen, mit sich gekämpft, alle ästhetischen Maßstäbe geprüft und wenn nötig gesprengt, die sensiblen Nerven bis zur völligen Erschöpfung strapaziert, um zum Saisonschluss als letzte herkulische Anstrengung Bilanz zu ziehen, schwierigste, persönlichste und gleichzeitig allgemein gültigste...
