Geht nicht, gibt es nicht
Als mich die Anfrage zu diesem Thema erreichte, erschrak ich zunächst, denn in über 15 Jahren Leitungsverantwortung an nicht idealen Theatern hatte ich nie mehr darüber nachdenken können, was ideal wäre. Sondern immer nur darüber, wie Optimales im
Unidealen zu schaffen sei. Umso neugieriger war ich auf meine eigenen Wünsche. Diese sind seit mehreren Vorbereitungsmonaten in Rostock in vielem entgegengesetzt zu meiner tagtäglichen Realität.
Ein inniger Wunsch wäre, nicht mehr die Bedrückung aushalten zu müssen, ob die gewollte Kunst überhaupt machbar ist für das vorhandene Geld – oder ob die Kunst überhaupt gewollt ist in der Stadt, in dem Bundesland. Inszenieren zu dürfen mit Muße, Ruhe, Zeit, solch ein Arbeiten ist mir seit meinen Jahren am Deutschen Theater Berlin gar nicht mehr erinnerlich.
Dass aus materiellem Mangel mit viel Fantasie und einer motivierten Belegschaft poetischer Reichtum kreiert werden kann, haben wir in Senftenberg bewiesen, und das werden wir auch in Rostock tun. Allerdings stellt sich immer drängender die Frage, halten das meine Mitarbeiter, und wie lange halte ich das aus – und durch? Reproduzieren Idealismus, Selbstausbeutung, Verzicht, um der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 34
von Sewan Latchinian
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre...
Die Schweiz ist ein friedliebendes Land, und Revolten, geschweige denn Revolutionen, sind hier, zumindest in der neueren Geschichte, doch relativ selten. Wenn sie irgendwann aber doch entstehen – wie beispielsweise im Zuge der Jugendunruhen 1968 und in den 80er Jahren –, geschieht dies allerdings mit einer nahezu erschreckenden Vehemenz, die so gar nicht zu diesem...
Sehr geehrte Redaktion,
anbei der Text. Wir haben uns nicht an die Längenbeschränkung gehalten, aber das ist nicht schlimm. Wir haben auch keine richtige Utopie verfasst. Die Realität, wie verlangt, einmal möglichst beiseite zu lassen, schien uns keine gute Idee. Stattdessen sind es nun Forderungen geworden, die sich direkt auf das gegenwärtige Theater beziehen....
