Gegenwart total
Jetzt ist die Gegenwart. Alles geschieht jetzt. Aber es ist zu viel, um alles zu verstehen. Das Theater ist die Kunst des Jetzt, die Kunst der Gegenwärtigkeit von Schauspielern und Publikum und die Kunst der Orientierung in der Zeit, damit wir verstehen, wo die Gegenwart in der Geschichte denn steht. Wie kann das Theater uns unsere Gegenwart verständlich machen, ohne ihre grundsätzliche und neuartige Unverständlichkeit zu unterschlagen? Das Dortmunder Schauspiel hat eine Antwort: «Es gibt nichts zu verstehen. Aber viel zu erleben. Wie im Leben.» Der flotte Spruch übertreibt.
In Kay Voges’ Groß-Projekt «Die Borderline-Prozession» gibt es vieles zu verstehen, so viel, dass man gar nicht aufhören kann, verstehen zu wollen.
Live-Regie: Kay Voges
Mit diesem Projekt setzt Kay Voges seine Versuche, das Verhältnis des Theaters zu den technischen Medien neu zu bestimmen («Nachrichten aus dem All», «Hamlet», «Das goldene Zeitalter», «Die DIE-Show») fort und steigert die inszenatorische und gedankliche Komplexität. Diesmal steht ihm die große Halle des «Megastore» im Stadtteil Hörde zur Verfügung, die Ausweichspielstätte während der Renovierung des Schauspielhauses. In diesen leeren Raum ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Gerhard Preußer
Das Brexit-Referendum dräut. Seit im Februar der Startschuss der «Remain»- und der «Leave»-Kampagne fiel, ist die schlammschlachtlastige Debatte immer mehr auf die Themen Wirtschaft versus Immigration zusammengeschmolzen. Die Politiker melden sich täglich zu Wort. Die Kunst- und Theaterszene kaum. Als Schauspielerin Emma Thompson äußerte, sie fände es «nicht...
1938 vollendet Brecht in Skowsbostrand im dänischen Exil die erste Fassung seines «Galilei», die – schon 1939 leicht überarbeitet – der Uraufführung des Dramas 1943 in Zürich zugrunde lag. Die spätere Konzentration auf die zentrale Gestalt ist zunächst weniger ausgeprägt: Die erste Niederschrift trägt noch den Titel «Die Erde bewegt sich». In den USA entsteht 1944...
Sie hat sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen, jedenfalls ist schon seit Längerem wenig von ihr zu sehen: die Vision im Theater. Bildstarke, rätselhafte, beunruhigende, verstörende Bühnen werden seltener. Robert Wilson hat sich abgenutzt, junge Regisseure scheinen sich eher wenig für die Suggestivkraft fremder Bildwelten zu interessieren. Gegen diesen Trend...
