Gegenkritik: Nicolas Stemann
Der Theaterkritik geht es nicht wirklich gut. Das tut mir leid. Vielleicht ist sie überarbeitet? Oder überfordert? Bin ich vielleicht daran schuld? Vielleicht sollten wir sie ein wenig in Ruhe lassen, damit sie wieder zu sich kommt. Legen Sie also ganz behutsam dieses Heft weg. Weit weg. Lesen Sie nicht mehr weiter. Wenn Sie ein Abo haben, sollten Sie es vielleicht besser kündigen.
Ich sehe, Sie ignorieren meine Warnungen und lesen dennoch weiter.
Also gut, noch diese eine Seite, aber dann ist Schluss, okay?
Meine Wiener Inszenierung «Die Brüder Karamasow» ist übrigens hymnisch bejubelt worden von der Theaterkritik. Das stimmt! Meine Wiener Inszenierung «Die Brüder Karamasow» ist von der Theaterkritik auch hämisch verrissen worden. So ist es immer. Egal, was ich inszeniere, ganz gleich ob es ein Highlight der Theatergeschichte ist oder eine kleine Fingerübung: Die Theaterkritik ist immer total verwirrt. Auch im Fall von Dostojewskis «Die Brüder Karamasow».
«Ungewohnt ernsthaft» fand die Wiener Zeitung mit einigem Recht den Abend, und auch Theater heute befindet im Einsteinschen Duktus: «Stemann ironisiert nicht». Die NZZ dagegen bescheinigt eine «gepflegte ironische Distanz», ...
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In Bernd Stegemanns ausführlicher und höchst lesenswerter Rezension der Theatergeschichte Günther Rühles in TH 12.07 gibt es leider einen gravierenden Irrtum. Stegemann schreibt:
«Bis zum Eintreffen des Geldes von Goebbels und Konsorten waren die Theater überwiegend privatwirtschaftliche Unternehmen.»
Die Hauptmasse der Theater außerhalb Berlins bildeten...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede...
