Gegenkritik
Eine zwiespältige Einladung ist das, wenn sich Theaterleute in «Theater heute» über die Kritik und ihr Verhältnis zum Theater äußern sollen. Denn wer als zweiter zieht, zieht immer den Kürzeren. Kritiker zu kritisieren, die einen auch schon mal schlecht besprochen haben, kann schnell etwas Beleidigtes bekommen. Und «die» Kritik gibt es ja auch gar nicht. Und wäre es da nicht sowieso besser, traditionell die professionelle Distanz zu halten, die journalistische Unabhängigkeit und die künstlerische Autonomie zu wahren? Im Prinzip ja, in der konkreten Sache nein.
Denn wir haben ein Problem. Ein schleichendes. Wenn wir miteinander sprechen, geht es meist um Geld und Kulturpolitik. Eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber, welches Theater wir wollen, droht dabei ins Hintertreffen zu geraten.
In den letzten Jahren war das Verhältnis von Theatern und Kritik oft bestimmt von der Diskussion um Kürzungen, Streichungen und Schließungen. Der ökonomische Diskurs dominiert das Nachdenken über Theater, dieser heillos ineffizienten Produktionsform. Wie bloß verteidigt man diesen Luxus in Mangelzeiten?
Die Kritik stürzte sich mutig in den Kampf und erfuhr freilich dabei einen janusköpfigen ...
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