Gegenkritik
Eine zwiespältige Einladung ist das, wenn sich Theaterleute in «Theater heute» über die Kritik und ihr Verhältnis zum Theater äußern sollen. Denn wer als zweiter zieht, zieht immer den Kürzeren. Kritiker zu kritisieren, die einen auch schon mal schlecht besprochen haben, kann schnell etwas Beleidigtes bekommen. Und «die» Kritik gibt es ja auch gar nicht. Und wäre es da nicht sowieso besser, traditionell die professionelle Distanz zu halten, die journalistische Unabhängigkeit und die künstlerische Autonomie zu wahren? Im Prinzip ja, in der konkreten Sache nein.
Denn wir haben ein Problem. Ein schleichendes. Wenn wir miteinander sprechen, geht es meist um Geld und Kulturpolitik. Eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber, welches Theater wir wollen, droht dabei ins Hintertreffen zu geraten.
In den letzten Jahren war das Verhältnis von Theatern und Kritik oft bestimmt von der Diskussion um Kürzungen, Streichungen und Schließungen. Der ökonomische Diskurs dominiert das Nachdenken über Theater, dieser heillos ineffizienten Produktionsform. Wie bloß verteidigt man diesen Luxus in Mangelzeiten?
Die Kritik stürzte sich mutig in den Kampf und erfuhr freilich dabei einen janusköpfigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Gegenkritik: Thomas Ostermeier
Gegenkritik: Nicolas Stemann
Gegenkritik: Frank Castorf
Gegenkritik: Michael Thalheimer
In Zeiten der You-Tube-Kunsthäppchen sind sie längst zum Gebot der Stunde geworden: die Klassiker in handlichen Formaten. Knackiger Content in maximal 90 Minuten (Schallmauerwert)! Der Schauspieler und Jungregisseur Christian Hockenbrink, Jahrgang 1975, kann es schneller. Auf der Durchreise nach Frankfurt und Stuttgart, wo er nächste Spielzeit inszenieren wird,...
Gleich zum Auftakt ihres Dokumentarfilms «Prater» breitet die Filmemacherin Ulrike Ottinger ihre schönsten Sammlerstücke aus dem Wiener Vergnügungspark vor dem Zuschauer aus: Hexen, Monster, Ungeheuer, die ruckhaft aus Pappmaché-Höhlen fahren, durch Schusstreffer bewegte Metallschweinchen, die auf einer Rennbahn des Glücks hoppeln, und Clowns, die klickend und...
Mal angenommen, Theater funktionierte wie Fernsehen, und die Kundschaft könnte sich durch den Abend zappen, hin und her zwischen Stück und Stück: vom Wissenschaftskrimi zum Melodram, vom Trauerspiel zur Klamotte, vom Kleine-Leute-wollen-hoch-hinaus-Drama direkt mitten mang die Bösewichter im Mafia- und Killer-Thriller. So ähnlich ist «Die Dummheit» konzipiert und...
