Die Kunst des Zeitsprungs
Andres Müry Die Merteuil in Heiner Müllers «Quartett» in Salzburg ist Ihre erste deutsche Theaterrolle seit 1983. Wie fühlt sich das nach einer Pause von 24 Jahren an?
Barbara Sukowa Gut. Ein bisschen Angst hatte ich ja schon. Man weiß, dass inzwischen viel passiert ist, und denkt, oh Gott, vielleicht komme ich aus einer anderen Welt. Vielleicht hab ich den Anschluss verpasst, vielleicht spiele ich ganz altmodisches Theater, nicht so cool wie die Jungen heute. Ich hab mir ja nie besondere Gedanken über Stil gemacht.
Dann liefen die Proben mit Barbara Frey und Jeroen Willems aber genau so, wie ich es von früher gewohnt bin.
Müry Warum hat es so lange gedauert, bis Sie wieder ein deutsches Theaterangebot angenommen haben? Gab es nie das richtige?
Sukowa Es ist ja für mich von New York aus, wo ich mit meiner Familie lebe, nicht so einfach. Ich kann mich nicht ins deutsche Repertoiresystem einfügen. Es müssen Blöcke sein, und es muss eine Rolle sein, für die es sich lohnt. Salzburg hat mir vor ein paar Jahren schon einmal ein Angebot gemacht, die Schauspielerin in «Das weite Land» von Schnitzler, bei Andrea Breth. Eine schöne Rolle, aber sie hat halt nur zwei Szenen.
Müry Bei der ...
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