Gegengewicht für eine bessere Welt
Was soll das denn heißen? Dief Gein?», fragt eine Passantin. Karotten und Frühlingszwiebeln im Einkaufskorb, kommt sie offenbar gerade vom Wochenmarkt auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz. Forsch, fast gereizt, ruft sie ihre Frage in Richtung der Holzbude, die vor dem kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig aufgestellt ist. Die junge Frau, die dort für das Festival Theaterformen arbeitet und wahlweise Kopfhörer für den Audio-Walk «Radio Ghost» oder die abendliche Silent Disco aushändigt, gerät ins Stottern. «Äh, ja, ganz ehrlich, das weiß ich jetzt auch nicht.
Also, ja, aber dort drüben, da hängt ein Schild, da steht die Erklärung drauf.» Doch da hört die Braunschweigerin, geschätzte Ende 50, schon gar nicht mehr zu. «Hauptsache Englisch!», blafft sie genervt und geht weiter. Geht – ohne Erkenntnisgewinn – über den etwa Fußweg-breiten roten Banner, der auf dem Pflaster liegt.
«Deaf Gain» steht in breiten weißen Lettern darauf. «Behindert ist kein Schimpfwort» auf einem zweiten, direkt dahinter. Während letzterer sich schnell und eindeutig erschließt und vermutlich, hoffentlich, mindestens bei der Kindererziehung zum immer wiederkehrenden Mantra geworden ist, bleibt «Deaf Gain» ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Festivals, Seite 20
von Katrin Ullmann
Max Stirner (1806 bis 1856) mochte keine großen Ideen. Weder Wahrheit noch Gerechtigkeit, weder Gemeinschaft noch Güte, schon gar nicht Religion oder andere Menschheitserlösungsgedanken, nicht einmal Allgemeinbegriffe wollte er akzeptieren. Nur «das Ich» – kompromisslosen Egoismus – ließ der philosophische Bilderstürmer gelten, obwohl auch das genau genommen ein...
Ich kann mich nicht beklagen über die Zeit mit ihm in Gießen vor 40 Jahren und auch nicht über die letzten Jahre zwischen 2016 bis 2019, in denen er uns oft in der Volksbühne besucht hat. Wo er 2016 mit Martin Wuttke und mir nach Proben geredet hat, oder mit mir in der Kantine. Ich hab jetzt gerade, wo ich über ihn nachdenke, das Gefühl, er hat alle Abende von mir...
Die Singularität ist schon lange der richtig heiße Scheiß im dystopischen Science-Fiction und sämtlichen Diskussionen um Artifical Intelligence. Sie bezeichnet den Moment, in dem die Algorithmen ein eigenes Bewusstsein entwickeln und sich vom Menschen emanzipieren. Für den Menschen ist das meist eher schlecht, wie etwa die «Terminator»-Reihe oder «Matrix» gezeigt...
