Das große Nicken
Max Stirner (1806 bis 1856) mochte keine großen Ideen. Weder Wahrheit noch Gerechtigkeit, weder Gemeinschaft noch Güte, schon gar nicht Religion oder andere Menschheitserlösungsgedanken, nicht einmal Allgemeinbegriffe wollte er akzeptieren. Nur «das Ich» – kompromisslosen Egoismus – ließ der philosophische Bilderstürmer gelten, obwohl auch das genau genommen ein Allgemeinbegriff ist, wenn mehr als ein Ich darunter fallen soll.
Vielleicht hat Hegels Zeitgenosse zu viele von dessen Vorlesungen besucht, jedenfalls hat er dabei eine grundlegende Abneigung gegen jedes Systemdenken entwickelt.
Mit pragmatischer Ichbehauptung und dem daran angelehnten Eigentum hat er sich als anarchistisches Kuriosum in die Philosophiegeschichte eingebracht und aus seinem einzigen Gedanken auch nur ein einziges Buch geschrieben: «Der Einzige und sein Eigentum». Wenn er denn überhaupt zur Wahl gehen würde – auch Demokratie ist eine große Idee –, würde Stirner heute wohl sein Kreuzchen in der äußersten rechten Trump-Ecke machen, bei den Libertären. Obwohl er die Freiheit als Idee dann auch wieder ablehnt.
Trotzdem hat er einen entscheidenden Punkt getroffen. Denn sein Ich-Kult ist der Grundgedanke eines ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
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