Gegen die Polizei im Kopf

Zum Tod des brasilianischen Theatermachers der Unterdrückten, Augusto Boal (16. März 1931–2. Mai 2009)

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Bei Theaterkongressen, auf denen er in Europa die Entstehung seines «Theaters der Unterdrückten» nachzeichnete, erzählte Augusto Boal gern folgende Geschichte: «Im letzten Akt des selbstgeschriebenen Bauern­dramas, das wir im Nordosten auf Lastwagenrampen spielten, sangen wir, das Gewehr fest umklammert: ‹Unser Blut für die Freiheit. Unser Blut für unseren Grund und Boden.› Die Zuschauer brüllten begeistert, mit erhobener Faust.

Nach Ende der Vorstellung trat ein Landarbeiter mit Tränen in den Augen auf mich zu – es war meine erste Begegnung mit einem echten Landarbeiter – und sagte: ‹Ihr kommt aus der Großstadt São Paulo, aber ihr denkt genauso wie wir auf dem Land. Ihr sprecht uns aus der Seele. Wir brauchen eine Revolution. Und zwar sofort! Ihr nehmt eure Gewehre und kommt mit! Wir holen uns das Land zurück, das uns der Coronel weggenommen hat!› Er packte mich am Arm. Ich stotterte: ‹Das muss ein Missverständnis sein.› Der Landarbeiter: ‹Nein, wir haben genau verstanden, was ihr gesagt habt. Ihr habt gesagt, wir wollen gemeinsam kämpfen. Also nehmt eure Gewehre und lasst uns kämpfen!› Ich stotterte noch mehr: ‹Da ist noch ein Missverständnis. Unsere Gewehre sind Attrappen!› Der ...

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Theater heute Juni 2009
Rubrik: Magazin/Nachruf, Seite 58
von Henry Thorau

Vergriffen
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