Das große Wir
Es gibt sie noch, die schönen Stunden. Wenn man als vielbeschäftigter Vorstand oder Aufsichtsrat eines Weltunternehmens, eingezwängt in die Zeitfenster seines Terminkalenders, einmal richtig durchatmen darf. Zwölf Stunden am Stück nur zuhören, träumen und sinnieren. Kein einziger Redebeitrag wird verlangt, nicht mal Aktenstudium, kein Referent kommt wichtig, kein Handy stört. Sprechen dürfen nur der Aufsichtsratsvorsitzende, der Vorstandsvorsitzende und der Finanzmensch.
Alle anderen sitzen bei der Hauptversammlung ihres Unternehmens zwar dabei, sonst gilt sie nicht, aber außer einem ernsten Gesicht wird nichts Wesentliches verlangt. Der Kapitalismus vollzieht sich reibungslos nach seinen innersten Gesetzen. Seinesgleichen geschieht, hätte Musil gesagt.
Als Theaterliebhaber hätte man jetzt gut zwölf Stunden Muße, über das Verhältnis von Figur und Rolle nachzudenken. Man kann es genauso gut bleibenlassen. Und als Theaterdirektor darf man endlich einmal den Kritiker mit der Bemerkung begrüßen, die nächsten paar Stunden werden sterbenslangweilig. Und als Kritiker darf man endlich entspannt wegdämmern, ohne konzentrierte Wachheit suggerieren zu sollen. Figur und Rolle eben. Aber bevor ...
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Bei Theaterkongressen, auf denen er in Europa die Entstehung seines «Theaters der Unterdrückten» nachzeichnete, erzählte Augusto Boal gern folgende Geschichte: «Im letzten Akt des selbstgeschriebenen Bauerndramas, das wir im Nordosten auf Lastwagenrampen spielten, sangen wir, das Gewehr fest umklammert: ‹Unser Blut für die Freiheit. Unser Blut für unseren Grund...
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