Gegen die Gefälligkeiten!

Peter Laudenbach und Stephan Reuter sprechen über die Entscheidungen der Theatertreffen-Jury

Theater heute - Logo

TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?

Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.

Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.

Laudenbach Obwohl viele Inszenierungen völlig okay, aber nicht unbedingt Theatertreffen-verdächtig waren. Das macht die Entscheidung nicht unbedingt einfacher.

Reuter Aber es gab gleich bei der ersten Abstim­mung mit großer Mehrheit vier oder fünf völlig unumstrittene Einladungen. Das hat schon mal sehr geholfen.

TH Was ist denn zum Beispiel eine völlig okaye Inszenierung, die nicht Theatertreffen-verdächtig ist?

Laudenbach Mehr als okay finde ich «Ein Exempel» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Sie haben recherchiert, wie die seltsame sächsische Justiz mit Antifaschisten umgegangen ist: ein sehr fairer, genau beobachteter, kluger, unpolemischer Abend. Die Inszenierung hat in Dresden zu großen Diskussionen geführt, das Theater hat eine Stadtöffentlichkeit zu einem politisch wichtigen Thema hergestellt. Ich finde das vorbildlich. Es wäre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Best of Berlin und Mülheim, Seite 30
von Eva Behrendt, Franz Wille

Weitere Beiträge
Jeder ist ein Künstler

Noch in ihrem letzten Gespräch mit der amerikanischen Performance-Künstlerin Annie Dorsen kurz vor ihrem Tod hielt Judith Malina an ihrem unbedingten Begriff von politischem Theater fest: «Es gibt zwei Klassen von Leuten im Theater: die Performer und die Zuschauer. Und das Verhältnis zwischen ihnen ist politisch. Wir haben viele Jahre darüber geredet und sind zu...

Die Heimholung

Es ist nur ein Katzensprung vom Wiener Burgtheater am prachtvollen Universitätsring zur nicht weniger prachtvollen Votivkirche am Rooseveltplatz, die im Dezember 2012 von einer Gruppe von Asylbewerbern besetzt wurde. Von hier aus führten sie ihren Kampf um Anerkennung und gegen Abschiebung – ein größtenteils erfolgloser Kampf. Elfriede Jelinek nahm das «Refugee...

Was fehlt?

Tanz auf dem Minenfeld
She She Pops «Frühlingsopfer»

Seit ein paar Jahren ist es keine Sensation mehr, dass sich unter den zehn auserwählten Theatertreffen-Inszenierungen ein oder zwei in der Freien Szene wurzelnde Produktionen finden. Dieses Jahr allerdings wurde nur das post-marthalerische Theater des bis vor kurzem noch frei produ­zierenden Regisseurs Thom Luz...