Die Heimholung

Michael Thalheimer lässt Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» im Wiener Burgtheater im Reich der Kunst verschwinden

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Es ist nur ein Katzensprung vom Wiener Burgtheater am prachtvollen Universitätsring zur nicht weniger prachtvollen Votivkirche am Rooseveltplatz, die im Dezember 2012 von einer Gruppe von Asylbewerbern besetzt wurde. Von hier aus führten sie ihren Kampf um Anerkennung und gegen Abschiebung – ein größtenteils erfolgloser Kampf.

Elfriede Jelinek nahm das «Refugee Protest Camp Vienna» und die Bootskatastrophe vor Lampedusa im Oktober 2013 zum Anlass für ihren wütend in der Wir-Form Partei ergreifenden Text «Die Schutzbefohlenen» (abgedruckt in TH 7/14), den Jelinek-Experte Nicolas Stemann letzten Mai in Mannheim zur Uraufführung brachte.

Seitdem gab es einige Nachspiele, in Bremen, Freiburg, Oberhausen, die sich alle wie Nicolas Stemann die Frage stellten, ob und wie das überhaupt geht: dass weiße, komfortabel im deutschen Theatersystem gebettete Schauspieler für die Ausgegrenzten und Ungebetteten sprechen, ihr Wir übernehmen, ihre Stimmen. Stemanns Inszenierung, die das diesjährige Theatertreffen eröffnet, hat diese Frage zum Ausgangspunkt einer Drei-Stufen-Dramaturgie gemacht: Die Stimmen aus weißem Schauspielermund wandern in den farbiger Darsteller und werden schließlich von ...

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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt

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