Gedanken im Raum
Wir werden als eine zentrale gesellschaftliche Instanz um mehr Digitalität auch am Theater nicht herumkommen. Man kann allerdings gespannt sein, wie das Ganze vonstatten gehen soll. In einem Land mit einer einzigartig dicht ausgebauten Theaterlandschaft und einer einzigartig dürftigen digitalen Infrastruktur. Meine Arbeitserfahrung mit Digitalem ist ebenfalls dürftig: vier bis fünf Mitschnitte von analogem Theater und drei Staffeln einer selbstproduzierten digitalen Mini-Serie, zeitfüereinander.com.
Ich bin also wahrlich keine Expertin für das Digitale, habe kaum Streams gesehen – etwas, was ich quasi geschwänzt habe, weil ich mich nur schwer Dingen widmen kann, die mich nicht interessieren. Weder auf mein mangelndes Interesse noch auf meine Sturheit bin ich besonders stolz. Ich muss sie an dieser Stelle einfach zugeben und mich zu etwas äußern, wovon ich mehr Ahnung habe, wofür ich mehr Liebe habe und von dem ich glaube, es ganz gut zu kennen und zu verstehen – das Theater.
Als ich mich nach dem Studium für das Stadttheater entschieden habe, kam das einigen in meinem Umfeld suspekt vor. Schon der Wechsel von der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen an die Münchner ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 74
von Anne Lenk
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Digital produzierte und verbreitete Bilder prägen wie kaum ein anderes Phänomen die Kultur unseres Zeitalters und bringen sie zugleich zum Ausdruck; ja, sie bedingen gar eine neue Form des Denkens, der Kommunikation und Konstruktion von Welt. Das war eine aufregende Erkenntnis der Medienphilosophie in den 1970er und 80er Jahren, die heutigen...
Aber natürlich wird das Theater in zwanzig Jahren anders sein – in hundert Jahren allemal. Und es versteht sich, dass das Theater keinen Bogen ums Digitale machen kann. Allen Anhängern des analogen Theaters sei das zugerufen: Ja, es wird ein digitales Theater geben. Mein Spiegel im Bad klebt schon von den Aerosolen dieses Ausrufes, mein Bücherregal im Arbeitszimmer...
«Einfach das Ende der Welt» – dieser Titel könnte in jüngster Zeit auch andere Assoziationen wecken, als Jean-Luc Lagarce 1990 im Sinn hatte. Der 1995 an Aids gestorbene französische Dramatiker erzählt in seinem Theaterstück «Juste la fin du monde» die Geschichte des todkranken Künstlers Louis, der nach jahrelanger Abwesenheit zu Mutter und Geschwistern in die...
