Gebeutelte Kleinbürger und Diven
Gegensätzlicher könnten die Saisoneröffnungen an den beiden großen Hauptstadtbühnen in diesem Herbst kaum ausfallen: «Stille» ist das erste Wort von Anja Schneider, als sie im «Schiff der Träume» am Deutschen Theater anhebt, vom Untergang der k.u.k-Epoche zu erzählen – vom Schiffbruch einer Opernund Arien-Hochglanzkultur, die sich aus aristokratischem Habitus und großbürgerlichem Kapital speist.
Derweil brüllt sich am Berliner Ensemble Jonathan Kempf die Seele aus dem Leib. Auch hier geht es um einen Untergang, aber nicht um den einer saturierten Oberschicht.
Hier sehen wir das Kleinbürgertum, das durch die Weltwirtschaftskrise der späten 1920er gebeutelt ist. Frank Castorf hat sich Hans Falladas Roman «Kleiner Mann – was nun?» von 1932 vorgenommen. Das Buch erzählt die Geschichte des Paares Johannes Pinneberg und Emma Mörchel, genannt Lämmchen, die noch in der Schwangerschaft heiraten und ihr Neugeborenes «Murkel» kriegen. Dann stürzt der Versorger der Familie in die Arbeitslosigkeit. Die Bandagen sind hart, die Arbeitgeber intrigant, dem «kleinen Mann» Pinneberg fehlt’s an Gerissenheit. Aber er hält sich an seiner Liebe fest.
Artemis Chalkidou und Andreas Döhler
Jonathan Kempf ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christian Rakow
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