Gastgeberin, Fallenstellerin
Jüngst für ein Buchprojekt gebeten, sich über ihre Arbeit zu äußern, lieferte Muriel Gerstner einen aufschlussreichen Text ab, einen Text, der in seiner Form zunächst überrascht, versteckt er doch seine Auskünfte in einem kleinen Stück Prosa. Mit einem Empfehlungsschreiben in der Hand steht M. – die Annahme, dass es sich hierbei um die Schreiberin handelt, ist sicher erlaubt – vor Frau B.’s Haus, um K. einen Besuch abzustatten. Hinter K.
soll und muss man den Autor Händl Klaus vermuten, für dessen Stück «Dunkel lockende Welt» Muriel Gerstner zum Entstehungszeitpunkt des Textes das Bühnenbild entwarf. Man muss und soll natürlich auch an Kafkas Roman «Das Schloss» denken, an seinen Protagonisten, jenen Landvermesser Josef K. und dessen angestrengte und vergebliche Versuche, den Ort, an den er meint, gerufen worden zu sein, zu ergründen. Nur ist in diesem Fall nicht K., sondern M. zum Vermessen gekommen und K. Teil jener rätselhaften Begebenheiten, denen wir lesend begegnen.
Muriel Gerstner betreibt ein offensives Spiel mit Verweisen in ihrem Text wie auch in ihren Bühnenentwürfen, doch hier wie dort verdunkelt sie Feststellungen, stiftet Widersprüche, indem sie verschiedene ...
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Das Jahr 2005 war für Lukas Bärfuss in mancherlei Hinsicht ein bedeutendes Jahr: Er wurde Vater, wurde mit seinem Stück «Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)» zum Dramatiker des Jahres gewählt und mit einem früheren, «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», in siebzehn Sprachen übersetzt. Gerade deshalb hat er bei der Arbeit an seinem aktuellen Stück »Die Probe» das...
Es war einmal ein namenloser Diener, der von seinem Herrn, einem gewissen Capulet aus Verona, eine Gästeliste in die Hand gedrückt bekam und darauf starrte wie jenes sprichwörtliche Schwein in jenes sprichwörtliche Uhrwerk. Der Kerl konnte weder lesen noch schreiben und hatte dennoch einen Auftrag zu erfüllen, der von ihm verlangte zu wissen, was geschrieben steht....
Die Berliner Tageszeitung «Germania» veröffentlicht am 9. August 1930 einen Aufsatz der jungen Dramatikerin Marieluise Fleißer. Die durch Skandale um die Uraufführungen ihrer Stücke «Fegefeuer in Ingolstadt»( 1926) und «Pioniere in Ingolstadt» (1928) bekannt gewordene Dramatikerin porträtiert zwei Jahre nach der Einführung des Tonfilms auf ungemein anrührende Weise...
