Garstige und Gutmütige

Zaimoglu/Senkel «Antigone», nach Lars von Trier «Dogville»

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Männer mit Hosenträgern sind mit Vorsicht zu genießen, das sollten Frauen eigentlich wissen. Aber was bleibt Grace übrig. Da strandet sie am rostbraunen Rand der Rocky Mountains, es sind Schüsse gefallen, und jetzt kauert die Fremde wie ein verstoßener Affe in der Nische einer Industrieschleuse (Bühne: Katja Hass), barfuß, das goldene Abendkleid schimmert offenherzig. In Dogville, wo die Dörfler sonst nichts als Blümchenkleid und die erwähnten Suspenders zu sehen kriegen, ist das eine Einladung. Für Befugte und Unbefugte.

Die Zürcher Intendantin Barbara Frey stellt zum Saisonstart zwei Heldinnen auf, deren Schicksal zwischen Opfer- und Täterrolle schillert: «Anti­gone» in der rüden Sophokles-Bearbeitung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel (Regie: Stefan Pucher). Und Grace aus Lars von Triers rigidem Filmexperiment «Dogville» (Regie: Stephan Kimmig). Beide erfahren in einer befremdlich archaischen Gemeinschaft Folter am eigenen Körper. Beider Reaktion löscht jene Gemeinschaften aus. Wobei Antigone die Gewalt gegen sich selbst, Grace gegen die anderen richtet.

Dass Grace erstens keine Streunerin ist und zweitens der einzige komplexe Charakter des Abends, daran lässt Katja Bürkles ...

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Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter

Vergriffen
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