Für ein unsouveränes Theater
Dass ich oft die Aufführung meine, wenn ich Theater sage, zeigt sich zu Corona-Zeiten deutlicher denn je. Das Streamen dokumentierter Vorstellungen oder live vollzogener Online-Formate verweist vor allem darauf, was nun zu wünschen übrig bleibt: jene in zeitlicher wie physischer Gemeinschaft erlebte Zusammenkunft nämlich, die Zuschauerinnen wie Darstellerinnen gleichsam prägen, und deren Fragilität auf der Gleichzeitigkeit von Produktion und Rezeption beruht.
Überhaupt ist die Aufführung ein anfälliges Unterfangen, in ihrer Anlage grenzüberschreitend, geht sie doch von der Vereinbarung aus, sich aufeinander einzulassen. Zwar kann sie Macht behaupten und darstellen, auch eignet ihr die performative Kraft, mit Sprechakten und Bildern Macht auszuüben. Das mediale Setting aber, die Versammlung, in die jede jederzeit intervenieren kann, könnte unsouveräner nicht sein. Die Aufführung ist angreifbar. Und mit ihr sind es die Körper, die sich verabreden, einander dies- und jenseits der Bühne zu begegnen.
Deren per se unsicheres Auftreten potenziert sich nun mit der Corona-bedingt vorherrschenden Verunsicherung, die auch die Theater von der Programmplanung über die Raumgestaltung bis zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 58
von Joy Kristin Kalu
Wie wir ausschauen? Fünf Kilo, mindestens. Wahrscheinlich acht. Wenn wir so weiterfressen, kriegen wir noch eine Postleitzahl. Bald ist unsere Anziehungskraft so groß, dass Monde um uns kreisen. Dabei war für uns extrem attraktive Menschen die Maskenpflicht anfangs eine enorme Benachteiligung. Und jetzt? Mir passt keine Hose mehr.
Seit der Paketzusteller unsere...
Beschleunigung in allen Lebensbereichen war ein fundamentales Phänomen unserer Zeit. Denn höher, schneller, weiter ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken oder zu entwerfen, galt bislang als kritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie...
Dass die Gefährdeten einer Gesellschaft unter einen besonderen Schutz gestellt werden und Konsens darüber erlangt wird, dass das Leben eines jeden einzelnen Menschen einen Wert hat und geschützt werden muss, hatte ich in diesem Ausmaß bis zu den Corona-Schutzmaßnahmen noch nicht erfahren dürfen. Leider. Aber jetzt war es möglich. Unerwartet. Konsequent.
Der Staat...
