Die Säuberung
Wie wir ausschauen? Fünf Kilo, mindestens. Wahrscheinlich acht. Wenn wir so weiterfressen, kriegen wir noch eine Postleitzahl. Bald ist unsere Anziehungskraft so groß, dass Monde um uns kreisen. Dabei war für uns extrem attraktive Menschen die Maskenpflicht anfangs eine enorme Benachteiligung. Und jetzt? Mir passt keine Hose mehr.
Seit der Paketzusteller unsere einzige Verbindung zur Außenwelt ist … Selbst der stellt die Kartons nur vor die Tür und rennt davon. Wie wär’s mit Ingwergemüse? Fisch? Paprika? Irgendwas für das Immunsystem.
Oder Kaiserschmarren? Was? Auf keinen Fall ein süßes Mittagessen, das geht am Thema komplett vorbei. Sagst du immer. Warum kein Apfelstrudel? Nach der Lehre des Kontrasts macht Aufregung Sinn.
Nein, ich nehm dich ernst, du bist kein Gespenst, auch wenn du in einem Leintuch lebst. Hast dein Morgengesicht? Schlafgrind in den Augen? Traumsand hört sich schöner an. Was hast heute vor? Wie immer? Aus dem Fenster schauen? Den ganzen Tag?
Gut, dass im Homeoffice die Pendlerpauschale vergütet wird. Jetzt bekommt man Kilometergeld und darf die Hauspatschen in Rechnung stellen. Aber was, wenn man am Weg vom Bett zum Computer mit einem Blumenstock kollidiert? ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Die große Pause, Seite 20
von Von Franzobel
«… mir fiel andererseits bereits auf, dass zwar viel geschah,
was mir nicht gefiel, aber doch nie genau das, was ich mir
zuvor besorgt ausgedacht hatte. Der Lauf der Dinge überschrieb meine Phantasie unentwegt.»
Dietmar Dath
Als wir vor zwei Jahren eine Version von Natascha Gangls Text «Die große zoologische Pandemie» in unseren Spielplan hineindachten, ahnten wir...
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. Sowas wie Bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt grad überleb ich auch. Es fühlt sich noch nicht an wie...
Das war’s mit dem Anthropozän. Der Mensch ist nicht mehr die treibende gestaltende Kraft auf Erden, genau genommen gibt es ihn nicht mehr, er existiert nur noch als Erinnerung in Robotergehirnen. Immerhin scheint die Erinnerung ziemlich präsent zu sein, hört man den Gesprächen der drei Roboter in «Restworld» zu, die sich nahezu manisch um deren ehemalige...
