Die Säuberung

Als wegen Corona die Theater geschlossen wurden, hat die Wiener Burg Autor*innen eingeladen, kurze Monologe für das Ensemble zu schreiben: ein Wiener Stimmungsbild, ein Zeitdo­kument – Beiträge von Franzobel, Thomas Köck und Teresa Dopler

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Wie wir ausschauen? Fünf Kilo, mindestens. Wahrscheinlich acht. Wenn wir so weiterfressen, kriegen wir noch eine Postleitzahl. Bald ist unsere Anziehungskraft so groß, dass Monde um uns kreisen. Dabei war für uns extrem attraktive Menschen die Maskenpflicht anfangs eine enorme Benachteiligung. Und jetzt? Mir passt keine Hose mehr.

Seit der Paketzusteller unsere einzige Verbindung zur Außenwelt ist … Selbst der stellt die Kartons nur vor die Tür und rennt davon. Wie wär’s mit Ingwergemüse? Fisch? Paprika? Irgendwas für das Immunsystem.

Oder Kaiserschmarren? Was? Auf keinen Fall ein süßes Mittagessen, das geht am Thema komplett vorbei. Sagst du immer. Warum kein Apfelstru­del? Nach der Lehre des Kontrasts macht Aufregung Sinn.

Nein, ich nehm dich ernst, du bist kein Gespenst, auch wenn du in einem Leintuch lebst. Hast dein Morgengesicht? Schlafgrind in den Augen? Traumsand hört sich schöner an. Was hast heute vor? Wie immer? Aus dem Fenster schauen? Den ganzen Tag?

Gut, dass im Homeoffice die Pendlerpauschale vergütet wird. Jetzt bekommt man Kilometergeld und darf die Hauspatschen in Rechnung stellen. Aber was, wenn man am Weg vom Bett zum Computer mit einem Blumenstock kollidiert? ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Die große Pause, Seite 20
von Von Franzobel

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