Verstörungen im Mittelmaß

Sabine Harbekes «und jetzt / and now» am Thalia in der Gaußstraße

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Manche Menschen haben eine merkwürdige Vorstellung von Samaritertum. Ein Frau, der sowohl Mann wie Liebhaber im World Trade Center verstorben sind, fährt danach wahllos Menschen an, damit sie das Leben wieder schätzen lernen. Dagegen fällt der streunende Dichter, der streitende Paare und einsame Trinker mit Penetranz nötigt, sich von ihm ein Trostpoem verfassen zu lassen, nur in die Kategorie Großstadtplage. Und schließlich darf ernsthaft in Frage gestellt werden, ob sich authentische Tierliebe wirklich auf den Zungenkuss mit Haustieren erstrecken muss.

 

Sabine Harbeke jedenfalls hält solche Verhaltensweisen für das ganz normale Marketing des guten Herzens in der aktuellsten Zivilisation. Das Register der Normalität, das sie in den elf Szenen ihres Stückes «und jetzt / and now» aufblättert, zeigt das Gewöhnlichste, was man sich an Großstadtmenschen vorstellen kann, als Langweiler mit Eigensinn. Bezogen auf ein New York nach dem 11. September erzählt sie von den Verstörungen in der psychischen Landschaft des Mittelmaßes, wo es scheinbar so natürlich blubbert wie im Quantenschaum.

Entsprechend ihrer persönlichen Doppelexistenz, die halb in New York und halb in der Schweiz verwurzelt ...

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Theater heute Januar 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 46
von Till Briegleb

Vergriffen
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