Früher alles besser?
Über mehrere Leinwände flimmern Bilder von Kriegen, Umweltkatastrophen und berühmten Leuten. Sie sind so omnipräsent, dass das Theater daneben bedeutungslos erscheint, so die Diagnose von Leander Haußmann und Ensemble in «Läuft!». Die Inszenierung ist laut Ankündigung eine Stückentwicklung, in der sich Regisseur und Darsteller:innen gemeinsam auf die Suche nach dem Glück gemacht haben. Womit in erster Linie eine freudvollere Zusammenarbeit innerhalb der Branche gemeint ist, aber auch so etwas wie neuer Lebenssinn und Perspektive.
Haußmann selbst hat schon letztes Jahr am RambaZamba-Theater inszeniert, den Filmklassiker «Einer flog über das Kuckucksnest», und wurde für seine «anarchische Energie» und seine «Menschenfreundlichkeit» gefeiert. Auch dieses Mal kommt seine Arbeit gut an, wie der große Applaus bekundet. Die Frage ist nur, warum? Denn das Stück offenbart trotz großartiger Schauspielmomente einen Kulturpessimismus, wie er nur von einem älteren weißen Mann kommen kann. Verzeihung für diese überstrapazierte Chiffre, aber sie ist einfach die treffendste Bezeichnung für ein Phänomen, das gerade landauf, landab passiert und wie das letzte Aufbäumen einer Generation von ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
Mit einer deutschen Theatergruppe in die Ukraine zu fahren, fühlt sich seltsam an. Normalerweise scheinen es eher europäische Theater zu sein, die nach ukrainischem Kriegs-Content dürsten. Jedenfalls bis zum 7. Oktober, seitdem der Krieg im Nahen Osten die Emotionen hochkochen und den Putin-Krieg scheinbar in den Hintergrund treten lässt. Ist es eine Form von...
«Die Sprache ist eine Haut: ich reibe meine Sprache an einer anderen. So als hätte ich Worte anstelle von Fingern oder Finger an den Enden meiner Worte.»
Roland Barthes in «Fragmente einer Sprache der Liebe»
Ich danke Enrico Ippolito, Selen Kara, Sasha Salzmann & Hengameh Yaghoobifarah für ihre kritischen Augen und offenen Herzen.
Figuren
Theaterdirektorin
...
Der Narr bleibt in Erinnerung: schlaksig, ein bisschen valentinesk, mit bayrischer Intonation. Singt altenglische Lieder oder pfeift sich eins, schießt imaginäre Liebespfeile ins Publikum, ist überall und nirgendwo. Felix Strobel spielt ihn mit geistreich-witziger Ernsthaftigkeit, mit warmer Stimme, feinsinnig mit den Worten jong -lierend. Glaubwürdig, dass dieser...
