Früchte des Ressentiments
Jago legt gleich richtig los, während Venedigs gute Gesellschaft aufgekratzt und mit gefrorenem Lächeln in Endlosschleife über einen Laufsteg sprintet. Er schnappt sich das Mikro, das am langen Seil aus dem Bühnenhimmel baumelt, und donnert sein Leitmotiv in den Raum: «Ich hasse den Schwarzen! / Der Schwarze muss weg.» Sein Einsatz ist die zweite Wortmeldung des Abends; zuvor hatte der Doge in drei Sätzen das «venetianische Prinzip» erklärt.
Denn die Spielregeln in dieser Stadt sind einfach: Freiheit und Rechtssicherheit für alle Fremden – ökonomisch, kulturell und religiös –, aber letztlich nur, solange sie nicht stören und dem Handel nützen.
Der Test für diese Ansage folgt auf dem Fuß. «This is Venice» verschneidet in ausgeklügelter dramaturgischer Kleinarbeit und Neuübersetzung (Elisabeth Bronfen zusammen mit Bühnenbildnerin Muriel Gerstner) Shakespeares Fremden-Dramen «Othello» und «Der Kaufmann von Venedig» als Breitwandpanoramen venezianischer Gesellschaft – ihrer Liberalität und deren Grenzen. Die verbindende Idee: Der Schwarze Othello darf problemlos und gegen dessen erbitterten Widerstand die Tochter des einflussreichen Senators Brabantio heiraten, solange ihn Vendig als ...
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