Friedhof der Kuscheltiere
In seinem Debüt «Feuergesicht» (1998) beginnen zwei Jugendliche einen selbstmörderischen Kampf gegen die Welt der Erwachsenen. Erst fackeln Kurt und Olga, ein inzestuöses Geschwisterpaar, ihre Schule ab. Dann töten sie im Blutrausch die eigenen Eltern. In «Freie Sicht» (uraufgeführt 2008 beim Adelaide Festival, Australien) beschreibt Marius von Mayenburg Terror und Gewalt in der bürgerlichen Kleinfamilie und den Verlust der inneren Sicherheit aus der Perspektive der Erwachsenen.
Jetzt sind es die Eltern, die ihre Kinder besorgt und argwöhnisch ins Visier nehmen.
Mayenburg nennt sie einen «Schwarm». Die nicht weiter individualisierten Erwachsenenstimmen erzeugen einen eigenartigen Sound. Da sind Eltern, die von der plötzlichen Veränderung ihrer zehnjährigen Tochter sprechen. Eine «innere Verhärtung» haben sie bei ihr festgestellt. Schnell entsteht ein Netzwerk von Betroffenen. Auch andere berichten von Verhaltensauffälligkeiten. Beunruhigend ist auch, dass im Supermarkt alle Pfirsichkonserven ausgetauscht und die U-Bahnhöfe desinfiziert wurden. Und dass ein kleines Mädchen seine Puppe im Sandkasten vergräbt. Eine Selbsthilfegruppe entsteht. Angst schweißt die Eltern zusammen – ...
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