Von Rittern und Rebellen
Der Rebell
Grün-lila-stichig flackert die digitalisierte Version eines 8mm-Films auf dem Bildschirm. Am trüben Himmel kreisen Hubschrauber. Passanten treten ins Bild; etliche von ihnen blicken misstrauisch in die Kamera. Mann trägt «Vokuhila» mit Schnauzbart, Frau Dauerwelle. Auf einem Parkplatz dösen Trabis. «Die Karl-Marx-Städter Innenstadt am 7. Oktober 89», flüstert die freundliche Archivarin im Lesesaal des Chemnitzer Stadtarchivs.
Bereitschaftspolizei zieht sich zusammen. Sporthochhaus, Theaterstraße, Zentralhaltestelle.
Militärfahrzeuge werden in Stellung gebracht, LKW, Wasserwerfer. Der stumme Film suggeriert unheilvolle Ruhe. Ziel des Einsatzes ist ein Häufchen Demonstranten, vielleicht ein paar Hundert. Sie nehmen sich klein aus zwischen den klotzigen Bauten und dem schweren Gerät. David und Goliath. Von Seiten der stummen Protestler geht keine Gewalt aus. Sie werden auch das offizielle Volksfest nicht stören, das an der Karl-Marx-Büste, 200 Meter Luftlinie entfernt, seinen sozialistischen Gang geht. Aber die Räumung der Straßen und des Platzes vor dem mit Fahnen geschmückten Rathaus ist Befehl. «Die mit den Bauhelmen, die jetzt anrücken, das sind die Kampfgruppen ...» ...
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