Fremd, ohne zu befremden
So müssen sich die antiken Griechen gefühlt haben, wenn sie bei der Uraufführung eines Tragödienzyklus waren. Ein großes gemeinschaftliches Erlebnis und die faszinierende Neugestaltung eines alten Mythos: Das war «Dionysos Stadt» 2018 an den Münchner Kammerspielen. Christopher Rüping gelang damals eine so kluge wie berührende zeitgenössische Neudeutung des Prometheus-Stoffs, die auch den sozialen und politischen Elan der antiken Dionysien und ihren geselligen Geist frisch zu beleben vermochte.
Prometheus gibt der Menschheit das Feuer, damit sie technologisch weiterkommt; sie nutzt es zum Brandschatzen. In einem grandios archaisierenden zweiten Teil des vierteiligen Abends sind all die Helden rhythmisch aufgezählt, alle Schiffe benannt, deren Untergang im Krieg vorgezeichnet ist. Ein martialischer Katalog, in dem die Schauspieler nicht als Protagonisten agieren, sondern sich einfügen in eine übergeordnete Kriegserzählung, in ein hämmerndes Schicksalskonzert, das seine Sprache in der «Ilias» von Homer findet. Genauer: in der neuen Homer-Übersetzung des Luzerner Altphilologen Kurt Steinmann.
«Die ‹Ilias› zeigt den blanken Irrsinn des Krieges», sagt dieser. Dass es darin aber einzig ...
KURT STEINMANN, geb. 1945, ist ein Schweizer Altphilologe, dessen transparent-genaue Übersetzungen antiker Autoren immer öfter gespielt werden. 2008 gelang ihm eine überzeugende Neuübersetzung der «Odyssee», 2017 der «Ilias». Ebenfalls von ihm übertragen wurden u.a. Aischylos’ «Orestie» und «Die Perser» sowie Euripides’ «Elektra» und «Die Troerinnen». Im Augenblick arbeitet Steinmann an einer «Medea»- Übersetzung.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2021
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Andreas Klaeui
Dorion Weickmann Wer kann jetzt welche bühnentechnischen Neustart-Mittel beantragen?
Wesko Rohde Das Programm ist hauptsächlich für Privattheater gedacht, davon gibt es schätzungsweise tausend in Deutschland. Rund 600 Förderungen haben wir beim ersten Mal vergeben. Gefördert wird jede pandemiebedingte Investition: vom Desinfektionsmittel über kontaktloses...
Die Produktion von Kunst und Kultur und ihre Aufbewahrung in Museen und Bibliotheken kostet Energie – das ist nicht neu. Neu ist, dass es zunehmend die Öffentlichkeit interessiert, wie viel Energie dafür verwendet wird und ob diese Energie in Relation zum Output steht. Die Pandemie hat das Denken verändert, das ist jetzt schon absehbar. Müssen so viele Tourneen und...
Das wahre Happening spielte sich vor dem Theater ab. Die Basler Kasernenwiese an diesem ersten frühsommerlichen Freitagabend nach dem Ende eines zermürbenden Kultur- und Freizeit-Lockdowns: bunt bevölkert, Straßencafés und Außenbars geöffnet. Eine Ahnung von der Leichtigkeit des Seins im Real Life liegt in der Luft. So wie früher, vor Corona. Beinahe. Denn am...
