Analoge Störmanöver
Das wahre Happening spielte sich vor dem Theater ab. Die Basler Kasernenwiese an diesem ersten frühsommerlichen Freitagabend nach dem Ende eines zermürbenden Kultur- und Freizeit-Lockdowns: bunt bevölkert, Straßencafés und Außenbars geöffnet. Eine Ahnung von der Leichtigkeit des Seins im Real Life liegt in der Luft. So wie früher, vor Corona. Beinahe. Denn am Eingang zur Reithalle der Kaserne Basel checkt die Ticketkontrolle, ob die 50 behördlich zugelassenen Premieren-Zuschauerinnen und -Zuschauer tatsächlich auf der Contact-Tracing-App registriert sind.
Drinnen fluten 14 Screens frontal ins Publikum. Eine Basslinie bebt, ein hoher Ton löchert das Gehör. Zwischen den Bildschirmen fallen 14 Figuren ins fahle Licht, fremdgesteuert, marionettengleich, werden zurückgeschleift ins finstere Off. Onlinemodus. Offlinemodus. Ein starker Einstieg in einen intensiven Abend, den der flämische Choreograf Ives Thuwis und Regisseur Sebastian Nübling aller Corona-Unbill zum Trotz mit dem Ensemble des Jungen Theaters Basel erarbeitet haben.
«Born to Shine» heißt das Tanztheaterstück in schillernder Mehrdeutigkeit. Das mit dem Geborenwerden ist ja noch simpel, man asselt als Erdenkriecher drauf ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Stephan Reuter
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