Analoge Störmanöver
Das wahre Happening spielte sich vor dem Theater ab. Die Basler Kasernenwiese an diesem ersten frühsommerlichen Freitagabend nach dem Ende eines zermürbenden Kultur- und Freizeit-Lockdowns: bunt bevölkert, Straßencafés und Außenbars geöffnet. Eine Ahnung von der Leichtigkeit des Seins im Real Life liegt in der Luft. So wie früher, vor Corona. Beinahe. Denn am Eingang zur Reithalle der Kaserne Basel checkt die Ticketkontrolle, ob die 50 behördlich zugelassenen Premieren-Zuschauerinnen und -Zuschauer tatsächlich auf der Contact-Tracing-App registriert sind.
Drinnen fluten 14 Screens frontal ins Publikum. Eine Basslinie bebt, ein hoher Ton löchert das Gehör. Zwischen den Bildschirmen fallen 14 Figuren ins fahle Licht, fremdgesteuert, marionettengleich, werden zurückgeschleift ins finstere Off. Onlinemodus. Offlinemodus. Ein starker Einstieg in einen intensiven Abend, den der flämische Choreograf Ives Thuwis und Regisseur Sebastian Nübling aller Corona-Unbill zum Trotz mit dem Ensemble des Jungen Theaters Basel erarbeitet haben.
«Born to Shine» heißt das Tanztheaterstück in schillernder Mehrdeutigkeit. Das mit dem Geborenwerden ist ja noch simpel, man asselt als Erdenkriecher drauf ...
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Theater heute Juni 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Stephan Reuter
«Jetzt ist schon wieder was passiert» – mit diesem mürrischen Satz leitet Wolf Haas seine Krimis ein, in denen ein in seiner Gemütlichkeit unfein gestörter Kommissar Brenner den blutigsten Verbrechen nachforscht. Brenner, schon der Name ist ein Witz, recherchiert mit einer Mischung aus Milieunähe, Faulheit und irgendwann dann doch noch einsetzender professioneller...
So müssen sich die antiken Griechen gefühlt haben, wenn sie bei der Uraufführung eines Tragödienzyklus waren. Ein großes gemeinschaftliches Erlebnis und die faszinierende Neugestaltung eines alten Mythos: Das war «Dionysos Stadt» 2018 an den Münchner Kammerspielen. Christopher Rüping gelang damals eine so kluge wie berührende zeitgenössische Neudeutung des...
Von den werkgetreuen Togen und Tuniken und dem gräzisierenden Tempelchen auf der Bühne sollte man sich nicht allzu sehr in die Irre führen lassen. Diese «Orestie» ist «revisited», was überarbeitet bedeutet, überschrieben. Aber auch nicht ganz. Doch der Reihe nach.
Erst mal wird das Publikum ein wenig eingeschüchtert: Die «Orestie» im Originaltext, das macht 175...
