Fremd in der Einheit
Dieter Sturm, Mitgründer, langjähriger Chefdenker und nach Peter Steins Abschied von der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz auch zeitweise ihr Codirektor, ist am 2. Juli in Berlin gestorben. Er hatte – ungewöhnlich für den Dramaturgen und Büchermenschen – zeitlebens eine unüberwind-liche Scheu, sich schriftlich oder öffentlich zu äußern.
Ein drei Nachmittage dauerndes Gespräch Anfang 1994 zog er bald darauf zurück, weil ihn, wie er meinte, das tiefste und erschreckendste «Medusengesicht der Unzulänglichkeit» anstarre «aus jeder Zeile auch nur eines Grußbriefes, den ich an irgendjemanden schreibe, geschweige denn eines ausführlicheren Textes». Umso ungewöhnlicher einer seiner seltenen öffentlichen Auftritte zur Verleihung des Kortnerpreises dieser Zeitschrift im Dezember 1993, «Fremd in der Einheit», den wir hier dokumentieren und der – gerade 33 Jahre später – wieder unheimliche Aktualität beweist.
«Ich bin vor vielen Jahren nach Berlin gekommen, um in zwei Welten zu leben, und das hat sich für mich in einer ganz erstaunlichen Weise erfüllt. Ich drücke das ganz bewusst jetzt nicht politisch aus, obwohl es eine politische Implikation hat. Aber das andere, der Reiz, der ...
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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Nachruf, Seite 40
von
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