Fahrstuhl zum Schafott
Weit ist der Weg vom Hauptbahnhof zur Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde – die aussieht, als hätten die Kumpel ihre Arbeit gerade erst eingestellt. Innen, in der neu ernannten Theaterhalle des Dortmunder Schauspiels, das auf unbestimmte Zeit wegen Bauarbeiten geschlossen ist, riecht es nach Rost und Maschinenfett. Ein Jahr lang darf hier gespielt werden, danach wird das Schauspielhaus in eine alte C&A-Filiale einziehen – mit der tröstlichen Absicht, dem grassierenden Leerstand deutscher Innenstädte mit Kulturnutzung zu begegnen.
Denn das imposante Industriedenkmal Kokerei ist ein gefragter Ort, so dass Brechts «Dreigroschenoper», inszeniert von Intendantin Julia Wissert, hier nur drei Termine lang en suite spielen kann, bis sie im Oktober wieder aufgenommen wird.
Durch die riesige Halle läuft ein großer, hoher Laufsteg, früher Förderband, darunter sind mit silbernen Vorhängen kleine Kammern abgetrennt: die Prostituiertenkammern, Geschäftsmodell von Mackie Messer (Lukas Beeler). Bei Julia Wissert sieht er aus wie ein jungenhafter Wiedergänger von Kurt Cobain, meist mit einem schwarzen Federumhang bekleidet, ein süßer Rabe der Nacht – der Intimbereich seiner Lederkluft ist mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Dorothea Marcus
Ich wohne in der Schweiz. Die Schweiz ist oft ganz anders, als man im Ausland denkt. Zum Beispiel viel urbaner: Das heißt dann, viele Leute fahren mit Bus, dem Tram oder dem Velo nach Hause. Manchmal ist die Schweiz aber auch genauso, wie man sie sich vorstellt. Ich kenne Leute, die auf dem Heimweg das Schiff nehmen über den Zürisee, andere fahren im gelben...
Junge Männer mit hängenden Hosen leuchten mit Taschenlampen die Mülleimerinhalte am Bahnhof ab. Im Park liegt ein Mann auf einer Luftmatratze. Natürlich ist die grassierende Armut an Bahnhöfen des reichsten Lands Europas nicht nur auf Oberhausen bezogen. Und doch fällt die prekäre Lage speziell in dieser Kommune mit 210.000 Einwohnern sofort auf: 9765 Euro...
Unter Braunschweiger:innen gilt die Rennelbergstraße als «längste Straße der Stadt». Wer in die gerade mal 300 Meter lange Sackgasse einbiege, komme erst nach mehreren Jahren wieder raus – am Ende der Rennelbergstraße liegt ein Gefängnis, eröffnet 1885 und erst 2024 endgültig geschlossen. Die JVA Rennelberg war zuletzt eine Untersuchungshaftanstalt für bis zu 143...
