Freispruch für Medea
Kann sein, dass Donna ihre beiden kleinen Kinder getötet hat. Kann sein, dass sie krank ist. Wir werden es nie erfahren. Sicher ist nur: Sie wird verurteilt, in den Knast gesteckt, durch die Medienarena geschleift und in zweiter Instanz aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Dennis Kelly hat aus dem Medea-Thema ein Doku-Drama in Zeiten der Kindsmordhysterie komponiert. Besser: die Simulation eines Doku-Dramas. Eine Videoeinblendung behauptet: «Das Folgende stammt Wort für Wort aus Interviews und Schriftwechseln.
» Was geflunkert ist, denn der Londoner Dramatiker Dennis Kelly baut sein Stück auf frei erfundenen Interviews auf. Er hält den Plot in der Schwebe, zwischen Fiktion und Dokumentation, zwischen Wahrheit und Lüge. Das gelingt ihm famos.
Jetzt aber zu Donna. Eine Frau, Anfang 30, in Fellparka und Flickenjeans. Sie setzt sich auf einen der heißen Interviewstühle, die Beate Fassnacht über die leere Basler Schauspielhausbühne verstreut hat. Donna berichtet vom Frauengefängnis, wo eine wie sie den Respekt einer Bettwanze genießt. Inga Eickemeier packt in Donnas Monolog ihr ganzes Talent. Und das ist: Verzweiflung gleichzeitig zu verbergen und zu verraten. Eine Frau am Rande der ...
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