Freiheit zum lauten Denken
Christoph Schlingensief kommt nach wie vor gern auf die Bühne. Vor der dritten Aufführung des «Zwischenstands der Dinge» hält er vor den rund 70 Zuschauern, die in das kleine Gorki Studio passen, eine schnelle, atemlose Ansprache. Er berichtet von «einem neuen Zwischenstand», der «scheiße» aussähe, philosophiert über Kritiker, die verwirrt konstatiert haben, dass ihre Kriterien nicht mehr greifen, und kündigt launig an, er werde vom Himmel aus nicht in unser menschliches Sein eingreifen. Wir dürften alle weitermachen wie bisher, das verspreche er.
«Auf Wiedersehen», sagt er noch, das sei die schönste Drohung, die er sich vorstellen könnte.
Hybris? Größenwahn? Narzissmus?
Schlingensief hat beschlossen, dass sein Lungenkrebs mehr ist als seine private Angelegenheit. Sowohl im Duisburger Fluxus-Oratorium «Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir», einer der großen Kreationen der diesjährigen Ruhrtriennale, als auch im «Zwischenstand der Dinge», der Vorstudie am Berliner Gorki Theater, hat er seine Fassungslosigkeit nach der Lungenkrebs-Diagnose gezeigt und seine Angst davor, wie es weitergeht. Seine Wut auf Gott, zu dem «der Draht abgerissen» sei, auf die katholische Kirche, die ...
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Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...
Band 1 1965–1987
Was in Deutschland überhaupt schlecht funktioniert, ist das Mittlere. Es gibt nur Superspitzenprodukte und Scheiße, das Mittlere hat, als Quantität, nicht stattgefunden – in allen Kunstgenres, glaub ich. Es hat nie eine Mitte gegeben. mit Harun Farocki, 1981
Mein Hauptinteresse beim Stückschreiben ist es, Dinge zu zerstören. Dreißig Jahre lang war...
Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch, das mit ein paar Texten, Dialog- und Originalzitaten die Entstehung des Films beschreibt. Und die tiefere Wahrheit besteht darin, dass dieses liebevollere und aufwändigere Presseheft schließlich als Vorlage für Breloers Film gelten muss.
Denn Thomas Manns Roman wird Breloers Film gerecht nur in der Art, wie die meisten Filme...
