Das Müller-Monument

Alexander Kluge im Gespräch über seinen Lieblingsgesprächpartner

Theater heute - Logo

Eva Behrendt Gerade sind im Suhrkamp Verlag drei Gesprächsbände erschienen, die die 12-bändige Heiner-Müller-Gesamtausgabe komplettieren, also ein Viertel seines Œuvres ausmachen. 24 der darin abgedruckten Gespräche haben Sie mit Müller geführt. Was war das Besondere am Gesprächspartner Heiner Müller?

Alexander Kluge Dass er ein Dramatiker, ein thea­tererfahrener Autor ist. Unsere Erfahrungen sind sehr gegensätzlich; ich bin filmerfahren, im Theater überhaupt nicht. Für ihn sind Kino und Fernsehen peripher.



EB Das erste der abgedruckten Gespräche wurde 1988 geführt und im westdeutschen Fernsehen gesendet. Wie kam das zustande?

Kluge Wir wurden zusammengebracht von einem gemeinsamen Vertrauensmann, Michel Gaißmayer, der fand, wir müssten zusammen reden. Spontan funktioniert so ein Gespräch natürlich nicht. Müller hat da sein Getränk und seine Zigarre. Er braucht das. Der wird nicht betrunken, da können Sie sicher sein. Regelmäßig hat er so seine Speiseröhre weggearbeitet. Dann wurde erstmal gesessen und geschwiegen. Es war nicht ganz einfach, sich zu einigen, worüber man reden will. Wir kamen durch Zufall auf Tacitus zu sprechen und haben uns auf seine Darstellung des Tiberius ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2009
Rubrik: 80 Jahre Heiner Müller, Seite 8
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Midlife und andere Krisen

Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter  Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...

Schuss und Gegenschüsse

Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die...

Ehret die Anfänge

Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...