Freie Szene: Mental Overload?!
Feminismus, Antirassismus, Digitalisierung – das sind die Themen, mit denen sich die Akteure der Freien Szene in Berlin gerade beschäftigen. Aus Sehnsucht nach einer besseren Zukunft graben sie in der Vergangenheit, klagen die Gegenwart an und geben sich kämpferisch. Daran kann selbst die Corona-Pandemie nichts ändern, auch wenn sie die Theaterschaffenden zu selten dagewesenen Tricks greifen lässt.
Wenn die Performer aufgrund von Krankheit oder Reisebeschränkungen nicht vor Ort sein können, werden sie mittels Videoübertragung zugeschaltet – so auch in Flinn Works’ Doku-Stück «Learning Feminism From Rwanda» beim «Risk and Resilience»-Festival an den Sophiensaelen.
In ihrer Arbeit hat die Kompanie Rechercheergebnisse aus Ostafrika mit der hiesigen Situation in Beziehung gesetzt. Die Rede ist von Ruandas sogenanntem Fast-Track-Feminismus, der dem Land beim Global-Gender-Gap-Index von 2020 mit Platz 9 einen Platz vor Deutschland bescherte. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Frauen dort bis 1994 weder Ländereien noch Bankkonten besitzen durften, ihre Ehemänner bei Jobangeboten um Erlaubnis bitten mussten und sich auch sonst eher untertänig verhielten. Doch nach Krieg und ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Anna Fastabend
Dass der prominente englische Dramatiker und Drehbuchautor Lee Hall («The Pitmen Painters», «Billy Elliot») als Autor des Stücks «Network» firmiert, mutet seltsam an. Hall hat Sidney Lumets Film aus dem Jahr 1976 bloß für die Bühne adaptiert, ohne am Oscar-prämierten Drehbuch von Paddy Chayefsky groß etwas zu ändern. Zumindest in unseren Breiten wäre das ein Fall...
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth...
