Frauen schreiben Frauen
Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht! Wer redet heute noch von Fortschritt, zumindest in einem Stück, das ganz programmatisch «Replay» heißt? Und damit auch niemand auf falsche Gedanken kommt, hat Yael Ronen ihrem neuen Werk an der Berliner Schaubühne einen kleinen Erklärbär-Monolog vorgebaut, in dem sich eine Lotte, die an der Schwelle zur Me -nopause steht, über ihren Gynäkologen beschwert, der ihr zum Trost ein Rezept verabreicht für ein Buch: «The Forth Turning» von William Strauss und Neil Howe, zwei US-Historikern, die 1997 darin die These aufgestellt haben, dass sich
amerikanische Geschichte in 80-jährigen Zyklen wiederholt, der Einfachheit halber eingeteilt in je vier 20-Jahres-Phasen, entsprechend den vier Jahreszeiten, also Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zuerst etabliert sich eine zivile Ordnung, dann wird sie übermütig, dann folgt eine Krise, schließlich Zusammenbruch und neue Ordnung. Unnötig zu erwähnen, dass wir uns gerade in der letzten Ecke befinden.
Die akademische Reaktion auf ihre These war eher geteilt. Die freundlicheren Reaktionen reichten von «mutig» bis «hohe Vorstellungskraft», die unfreundlicheren von «unwissenschaftlich» bis «verschroben» und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Franz Wille
Ursprünglich wurde das Festival «Nordwind» 2006 als Schaufenster der nordeuropäischen Theateravantgarde gegründet, dezentral organisiert mit Aufführungen in Berlin, Hamburg und Dresden, später auch noch Bern. Im Laufe der Jahre sprangen die Kooperationspartner ab, als einziger Spielort des Festivals blieb das Hamburger Produktionshaus Kampnagel. «Nordwind» wurde...
Die vom Berliner Senat am 19. Dezember beschlossenen Kürzungen haben auch für die großen Sprechtheater einschneidende Folgen: Die Schaubühne am Lehniner Platz und das Berliner Ensemble müssen im Wirtschaftsjahr 2025 je 1 Million einsparen, das Deutsche Theater 1,588 Millionen und die Volksbühne 2 Millionen Euro. Immerhin die Kinder- und Jugendtheater Grips und...
Es gibt sie ja, diese Stoffe, die man glaubt, zur Genüge gesehen zu haben. «Faust. Der Tragödie erster Teil» wäre da so ein Beispiel. Aber kann man sich wirklich an diesem Stoff sattsehen? Der benachbarte Zuschauer im Saal des Deutschen Nationaltheater Weimar hat immerhin schon vier Inszenierungen des Klassikers gesehen. Die von Regisseur Jan Neumann, da ist er...
