Frauen im Fadenkreuz

Drei weibliche Perspektiven präsentieren das Münchner Residenztheater und die Kammerspiele mit Inszenierungen von Amir Reza Koohestani, Elsa-Sophie Jach und Marie Schleef

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Klar, dieser Liza muss man nichts beibringen, sie muss auch nicht erst «hübsch» gemacht oder erzogen werden, und einen irgendwie signifikanten Akzent hat sie schon gar nicht. Im Gegenteil, ihre Aussprache perlt in perfekter Artikula -tion ohne den Anflug eines krassen Dialekts, und Blumen verkauft sie auch nur vorübergehend, um sich das Schauspielstudium zu finanzieren.

Wie Anna Bardavelidze das spielt, ist sie eine sympathisch selbstbewusste junge Frau, auch in Hot Pants und Bomberjacke eine gepflegte Erscheinung und keineswegs ein prädestiniertes Objekt irgendwelcher paternalistisch-pädagogischer Erziehungsexperimente. Der Regisseur Amir Reza Koohestani und die Autorin Mahin Sadri, beide im Iran geboren, haben im Auftrag des Münchner Residenztheaters den Versuch unternommen, George Bernhard Shaws Klassismus-kritischen Komödienklassiker «Pygmalion» zu dekonstruieren und gleich auch noch ins Zeitalter von KI zu verpflanzen. Dabei verfolgte im Erscheinungsjahr 1913 das Original selbst schon ein waches Emanzipationskonzept und lässt dem arroganten Phonetiker Higgins seine zynische Wette effektvoll und ironisch um die Ohren fliegen, dem armen Blumenmädchen Eliza Doolittle mittels ...

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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen

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