Frankfurt: Visionärin der Finsternis
Gleißend wäre zu viel gesagt, aber ziemlich hell ist sie schon, die Bühne, die Lucas Devriendt für Julie van den Berghe aus schimmernden Plastikplanen gehängt hat. Von Devriendt heißt es im Programmheft, er stelle aus und lasse klassische Themen der Malerei im Heute spielen. Van den Berghe, geboren 1981, in der belgisch-niederländischen Theaterszene ein Begriff, inszeniert ebenfalls klassische Themen im Heute.
Die Frage ist nur, wo und was ist Heute? Düster ist es hier sicher, denn obwohl die Bühne strahlt, tut van den Berghe viel, sehr viel, um als Visionärin der Finsternis zu erscheinen.
«Alkestis», des Euripides’ Liebesopferdrama, in der Fassung des britischen Dichters Ted Hughes, geschrieben lange nach dem sagenbildenden Selbstmord seiner gleichfalls dichtenden Ehefrau Sylvia Plath, übersetzt von Durs Grünbein in ein klassisch geschmeidiges, leicht heutiges Deutsch, ist van den Berghe mehr Zustand als Drama, Todeszustand, Sterbezustand, endlos sich ziehender Liebeszustand. Wie Venus dem Schaum entsteigt, wird diese Alkestis aus einer blasigen Folienblume geboren, im engen roten Silhouettenkleid endet sie. Dazwischen leidet sie sehr schön und ausdauernd (Paula Hans), und es ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Peter Michalzik
In Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Brecht-Inszenierung vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer» am Berliner Deutschen Theater gibt es eine (Video-)Szene, in der Andreas Döhler als Fatzer über die Warschauer Brücke irrlichtert. Der Schauspieler – seit acht Jahren Ensemblemitglied am DT – attackiert dort in einer erfrischend aggressiven Mischung aus...
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Noch vor dem geschlossenen Vorhang, hell ist er mit dunkler Rückseite, kniet sie vorn an der Rampe und knallt mit regelmäßig dumpfen Schlägen die Stirn auf den Boden. Antigone, dramatisches Urbild alles Widerständigen gegen die Staatsgewalt, hat aus heutiger Sicht durchaus Potenzial zu einer Kamikaze-Fundamentalistin – besessen von der Vorstellung, Recht zu haben,...
