Träumt weiter?
Manchmal passt es besser, als man planen konnte. Natürlich wurde am Deutschen Theater Tennessee Williams’ «Die Glasmenagerie» auf den Spielplan gesetzt, bevor irgend jemand sich auch nur im Entferntesten vorzustellen vermochte, dass in den USA fünf Wochen vor der Premiere tatsächlich ein durchgeknallter Milliardär zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden würde – nicht zuletzt von den Abgehängten des amerikanischen Traums, der schon lange ein Traum ist, der für die Allermeisten nie wahr werden wird.
Von Träumern, die sich mit Ersatzglückseligkeiten die Tristesse der Realität vom Leibe halten, erzählte 1944 Tennessee Williams in seinem biografienahen Debütstück aus einem St. Louis der späten 30er Jahre. Amanda Wingfield, deren Mann sich vor langer Zeit aus dem Staub gemacht hat, lebt mit ihren erwachsenen Kindern Tom und Laura in ärmlichen Verhältnissen. Tom, ein unkaschiertes Selbstporträt des Dichters, ernährt die Familie mit der ungeliebten Arbeit in der Schuhfabrik, die ihn vom Schreiben abhält, und flüchtet sich allabendlich in Kino und Kneipe. Laura, leicht gehbehindert, schwänzt die Schule, setzt kaum mehr einen Fuß vor die Tür und poliert ihre Glastiere. Und ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Barbara Burckhardt
Gleißend wäre zu viel gesagt, aber ziemlich hell ist sie schon, die Bühne, die Lucas Devriendt für Julie van den Berghe aus schimmernden Plastikplanen gehängt hat. Von Devriendt heißt es im Programmheft, er stelle aus und lasse klassische Themen der Malerei im Heute spielen. Van den Berghe, geboren 1981, in der belgisch-niederländischen Theaterszene ein Begriff,...
Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.
Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung...
Wenn es schon kein anderer macht, muss man es eben selber tun: Die Dramaturgie des Berliner Ensembles, allen voran Peymann-Lebensgefährtin Jutta Ferbers, hat ihrem scheidenden Direktor ein Buch spendiert: «Claus Peymann – Mord und Totschlag». Hermann Beil zitiert im Vorwort Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon – «Lebenslängliche Theaterkerkerhaft / ohne die...
