Fragen der Gerechtigkeit

Shakespeare «Romeo und Julia»; Volker Lösch, Lothar Kittstein «Geld ist Klasse» im Schauspielhaus Düsseldorf

Theater heute - Logo

«Bürgerkrieg ist höchstes Bürgerglück.» Thomas Braschs reichlich freie Übersetzung des Auftrittsmonologs macht ganz klar, was die Themen von «Romeo und Julia» sind: Krieg und Glück der Bürger. Das «Stadt:Kollektiv», Nachfolger der «Bürgerbühne» des Düsseldorfer Schauspielhauses, spannt in Bassam Ghazis Inszenierung das Band zwischen Bürgerliebe und Bürgerkrieg, bis es zerreißt. So bleiben nur noch Fetzen übrig, ein Szenenpuzzle, das man sich mit etwas Mühe zusammensetzen kann.

Rollenspiel und Selbstdarstellung sind Grundbedürfnisse des Menschen, die das Düsseldorfer Schauspielhaus mit solchen Inszenierungen, drei pro Spielzeit, und einem fast täglichen Programmangebot bedienen kann. Unter der Leitung von Birgit Lengers wird die partizipative Sparte ausgebaut.

Fünfzehn Darsteller:innen unterschiedlichen Alters zwischen 14 und 62, Laien allesamt, spielen Kinderliebe und Kindertod. Wie auch im professionellen Theater sind Romeo und Julia mehrfach und geschlechtsunabhängig besetzt, vier Julias, drei Romeos. Bei Inszenierungen mit Laien ist nicht nur die einigermaßen gleichgewichtige Verteilung der Spielanteile nötig, sondern auch die Entfaltung der Persönlichkeiten. Und zum aktuellen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Wohliger Grusel

Hinter den drei steinernen Art-Deco-Torbögen des Leipziger Grassi-Museums wartet das geheimnisvolle Transsylvanien mit dem dunklen Fürsten Nosferatu. Das Schauspiel Leipzig nutzt den Hof des Museums für einen Ausflug in einen Horrorklassiker, inszeniert von Katharina Ramser, die mit dem «Nosferatu» zugleich ihre erste Arbeit am Leipziger Theater zeigt.

Die Fassung...

Drei Mal Leben

Wer die Hoffnung hegt, dass Frauen die besseren Menschen sind, insbesondere sich feministisch lesende, gut gebildete, diverse, postmigrantische, nachhaltig lebende, einander zugewandte Mittelschichtsfrauen im gerne auch besserverdienenden Hauptstadt-Umfeld, könnte enttäuscht werden. Das neue Stück von Golda Barton, einem Pseudonym aus dem Umfeld der Schauspielerin,...

«Ein bisschen die Heimat unterstützen»

Steht man vor dem Friedensgrenze e.V., fühlt man sich sofort in die Zeit vor 1989 versetzt. Das ehemalige Kulturhaus und Kino in Guben, direkt an der Oder, trägt stolz seine Patina des Umbruchs. Im Inneren befindet sich noch die alte Kinokasse, im Foyer verkauft der örtliche Trägerverein, der sich seit einigen Jahren um das Gebäude und seine kulturelle Bespielung...