Fräulein Rasch
Eine Frau mittleren Alters, Franz Xaver Kroetz nennt sie Fräulein Rasch, kommt an einem Sommerabend von der Arbeit nach Hause und verbringt dort einen Feierabend. Sie sieht fern und hört Radio, bereitet sich ein Abendbrot zu, widmet sich der Körperpflege, stellt sich den Wecker und geht zu Bett. Sie kann nicht schlafen, steht wieder auf, schluckt den Inhalt einer Packung Schlaftabletten und stirbt.
Das Stück «Wunschkonzert», 1971 geschrieben und 1973 uraufgeführt, ist in Kroetz’ Worten «der Vorschlag zur Darstellung eines Sachverhalts»: die pathosfern präzise Beschreibung routinierter Vorgänge, die die dahinterliegenden Emotionen gewissermaßen suggestiv verschweigt. Frl. Rasch bleibt stumm; Text kommt ausschließlich aus den rezipierten Medien und bildet in programmatischer Gutgelauntheit einen ironischen und kalkulierten Kontrapunkt zur ausweglosen Einsamkeit der Protagonistin.
Die Kölner Performance der britischen Regisseurin Katie Mitchell und des Videokünstlers Leo Warner lässt den Zuschauer nicht die naturalistische Nachahmung eines tragischen Prozesses erleben, sondern die Herstellung eines Videofilms, der die Handlungen des Frl. Rasch synthetisch in einzelne Bildsequenzen ...
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Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergangenheit bearbeitet werden?
Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
Eines Tages begann mitten im Lande ein kleiner Tümpel zu singen. Alle Menschen in seiner Umgebung wurden von seinen wohltuend alles lähmenden, einhüllenden Klängen angelockt, versammelten sich um ihn herum und starrten ins singende Wasser hinein, sie wurden von den Tönen, die aus dem Teich sich erhoben, gefangengehalten. Vom Wind wurde die Musik des Tümpels...
Fontane, Kästner, Musil, Dostojewski – das Aachener Theater folgt dem Trend und plündert in dieser Saison ausgiebig alte Romane, um neue Dramen zu finden. Für die kleine «junge» Spielstätte Mörgens darf’s auch etwas Frischeres sein: der Prosatext «Afterdark» des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami, 2005 auf Deutsch erschienen und bereits ein Jahr später in...
