Fräulein Rasch

Franz Xaver Kroetz «Wunschkonzert»

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Eine Frau mittleren Alters, Franz Xaver Kroetz nennt sie Fräulein Rasch, kommt an einem Sommerabend von der Arbeit nach Hause und verbringt dort einen Feierabend. Sie sieht fern und hört Radio, bereitet sich ein Abendbrot zu, widmet sich der Körperpflege, stellt sich den Wecker und geht zu Bett. Sie kann nicht schlafen, steht wieder auf, schluckt den Inhalt einer Packung Schlaftabletten und stirbt.

Das Stück «Wunschkonzert», 1971 geschrieben und 1973 uraufgeführt, ist in Kroetz’ Worten «der Vorschlag zur Darstellung eines Sachverhalts»: die pathosfern präzise Beschreibung routinierter Vorgänge, die die dahinterliegenden Emotionen gewissermaßen suggestiv verschweigt. Frl. Rasch bleibt stumm; Text kommt ausschließlich aus den rezipierten Medien und bildet in programmatischer Gutgelauntheit einen ironischen und kalkulierten Kontrapunkt zur ausweglosen Einsamkeit der Protagonistin.

Die Kölner Performance der britischen Regisseurin Katie Mitchell und des Videokünstlers Leo Warner lässt den Zuschauer nicht die naturalistische Nachahmung eines tragischen Prozesses erleben, sondern die Herstellung eines Videofilms, der die Handlungen des Frl. Rasch synthetisch in einzelne Bildsequenzen ...

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Theater heute Februar 2009
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Martin Krumbholz

Vergriffen
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