Die singenden Seen

Theater heute - Logo

Eines Tages begann mitten im Lande ein kleiner Tümpel zu singen. Alle Menschen in seiner Umgebung wurden von seinen wohl­tuend alles lähmenden, einhüllenden Klängen angelockt, versammelten sich um ihn herum und starrten ins singende Wasser hinein, sie wurden von den Tönen, die aus dem Teich sich erhoben, gefangen­gehalten. Vom Wind wurde die Musik des Tümpels weiter­getragen zu den größeren Seen im Lande, worauf sich auch dort alle Menschen um die Seen an deren Ufern herum­versammelten, sie starrten hinein in die flüssige Musik, die von den vielen Wasseroberflächen sich erhob.

Auch an den Ufern der Flüsse waren diese Akkorde zu hören, auf den Flußinseln hatten die Menschen fröhlich bunte Zelte aufgeschlagen, um sich hinfort ausschließlich dieser Musik und der Hingabe an sie widmen zu können, denn auch ein jeder vor dieser Zeit noch so begehrenswerte anderweitige Lebensinhalt war auf einmal ganz unwichtig und im Vergleich zur Hingabe an diese Musik, die jetzt schon bald alles beherrscht und unterworfen hatte, immer lächerlicher geworden.

 

Auf den Flüssen erreicht der Gesang die Meere.

Jetzt haben sich alle Menschen an den Ufern aller Gewässer nieder­gelassen an den Rändern der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2009
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Gert Jonke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gegenkritik

Franz Wille auf der Mailbox: «Lieber Falk, hier ist Franz, ruf doch mal bitte zurück.» Hm, was kann das bedeuten? Er will mein neues Stück abdrucken, wie toll, da freu ich mich aber, und dann, nein, nein, du, hör mal, wir haben da so ‘ne Rubrik «Gegenkritik», ach so, hmm, das ist so ‘ne Loserrubrik, wir fanden nämlich deine «Kabale und Liebe»-Inszenierung alle so...

Prinzip Indifferenz

Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...

Der deutsche Aufstand neigt zum Grillfest

Franz Wille Wenn man sich das Personenverzeichnis durchliest, besteht die «Kritische Masse» aus alten Bekannten aus den Stücken der 90er Jahre – zumindest den Namen nach: ob nun Gretschke aus «Londn-LÄ-Lübbenau» oder Lothi Ackermann aus «Bis Denver». Und wenn man dann weiterliest, fragt man sich, was seit der Wende oder den unmittelbaren Nachwende-Jahren eigentlich...