Fortschrittlicher Stillstand
Wie weiter mit Elisabeth? Der mittellosen jungen Frau, die auf der Suche nach Beschäftigung und einem Wandergewerbeschein unter die Räder einer paragrafentreuen Bürokratie und deren männliche Vollstrecker gerät, bis sie sich das Leben nimmt. Wie macht man Ödön von Horváths «Glaube Liebe Hoffnung», den «Totentanz in fünf Bildern» von 1936, im Land einer der höchsten europäischen Sozialleistungen gegenwarts-, vielleicht sogar zukunftstauglich? Bonn Park hat bei seiner freien Fortschreibung im Münchner Volkstheater schon vorsorglich am Titel geschraubt.
Statt der Hoffnung regiert die Maschine: «Glaube Liebe Roboter».
Doch auch in der hoffentlich nicht ganz so nahen Zukunft muss die mittellose Elisabeth für 150 Mark ihren Körper an die Anatomie verkaufen, um eine Geldstrafe wegen der fehlenden Papiere zu bezahlen. Was die Nöte der Hauptfigur von Ödön von Horváths Vorlage angeht, hat sich wenig geändert. Mächtig aufgerüstet hat allerdings das Anatomische Institut um den Oberpräparator (Steffen Link) sowie der allgemeine Weltuntergang. Draußen toben Giftmüllwolken und Strahlungsstürme, drinnen sieht es aus wie in der Kommandozentrale eines mehrfach havarierten Atomkraftwerks: viele ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Franz Wille
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