Brücken und Impulse
2001 lernte ich Maria Szilágyi in Budapest kennen, wo sie eine bunte Truppe internationaler Kurator:innen und Theaterkritiker:innen quer durch Budapest und mit dem Bus bis in die südungarische Kleinstadt Kaposvar lotste. Innerhalb von vier Tagen verschaffte uns die umtriebige Chefin des biennalen Kortars Drama Festival einen Überblick über die wichtigsten ungarischen Theaterkünstler:innen, darunter Béla Pinter und Árpád Schilling, außerdem übersetzte und netzwerkte sie herzlich und unermüdlich in alle Richtungen.
Umgekehrt erhielt auch das ungarische Theater Impulse durch von ihr initiierte Übersetzungen deutscher Dramatik oder Gäste wie Hans-Thies Lehmann.
Vier Jahre später reiste ich noch einmal zu Szilágyis Festival, das damals schon keinen Forint staatlicher Unterstützung mehr erhielt – es grenzt an ein Wunder, dass Maria Szilágyi das Festival weitere sieben Jahre am Leben halten konnte. Der junge Nachwuchsregisseur Viktor Bodó, der heute regelmäßig am Hamburger Schauspielhaus inszeniert, überraschte damals mit einer flirrend-gelenkigen Adaption von Kafkas «Der Prozess» in einer handtuchschmalen Nebenspielstätte des Katona Joszef Theaters. Gleichzeitig konnte man am ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Eva Behrendt
Alles schön bunt hier, weich und rund: große Kuscheltiere, Fruchtgummis oder Frustpolster. Man kann auch weibliche Körperteile oder Utensilien assoziieren bei den Gegenständen, die auf der Bühne herumliegen. Eine Frau in Teilstücken als variable Bühnenlandschaft. Ein «weiblicher Kosmos» soll es sein, in den wir uns da gedanklich hineinbegeben. Nur im Hintergrund...
Zuzeiten ist der Kanon eine Gruft der lebenden Toten. Eine Ansammlung von Versen, Figuren, Handlungen, von denen man nicht lassen mag, weil einst eine bezaubernde Lebendigkeit in ihnen wohnte. Wer spätgeboren nach ihnen greift, findet nurmehr eine kalte leere Hülle. Den «Prinz von Homburg» von Heinrich von Kleist ereilte dieses Schicksal irgendwann am langen Ende...
Damaskus, Beirut, Istanbul, Cos, Athen, Sarajevo, Zagreb, Salzburg, München, Köln»: Adam Abbas, ein schlaksiger junger Lockenkopf, zählt mit rauer Stimme die Stationen seiner Flucht aus Syrien auf. «Mein Zwillingsbruder Jad und ich sind die Jüngsten. Wir sind alleine nach Deutschland geflohen», fährt er fort.
Dass Abbas über seine Flucht als 15-Jähriger nicht mehr...
