Flüstern war gestern
Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.
Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand Schauspielern vorzusagen, wenn sie nicht weiterwissen? Die perfekte Souffleuse, sagt Veit, soll sensibel und empathisch sein – aber ein dickes Fell haben; sie darf um Himmels Willen den Probenprozess nicht stören, soll unsichtbar sein – aber innerlich jede Sekunde beteiligt; sie muss «mit dem Schauspieler mitatmen und ihm den Text eingeben» – aber nur, wenn er ihn wirklich braucht. Auch der künstlerische Leiter der Schaubühne Thomas Ostermeier formuliert höchste Ansprüche an die Souffleuse: Er beschreibt sie als «Trainerin», die «nicht vorwurfsvoll souffliert, sondern den Schauspieler klug unterstützt, psychologisch aufbaut». Lars Eidinger, Schauspieler am selben Haus, sieht das ähnlich: Im Idealfall sei sie eine Art «Schwimmlehrerin, die am Beckenrand mitläuft und Kommandos gibt», während man die Bahnen zieht. Zu wissen, ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Barbara Behrendt
Am 22. Mai 1963 wurde der linke Oppositionspolitiker Grigoris Lambrakis in Thessaloniki auf offener Straße von einem Motorrad angefahren und getötet. Vier Jahre nach dem Attentat übernahm die Militär-Junta die Macht in Griechenland. Inzwischen herrscht längst wieder Demokratie in dem Land, das sie bekanntlich erfunden hat, viele Straßen in der Innenstadt wurden in...
Das Thalia Theater hatte mich gebeten, für Helmut Schmidt ein Stück zu spielen. Ganz privat, in seinem Haus in Langenhorn. «Welches Stück? In was für einem Raum?», fragte ich. «Eines von deinen Solo-Programmen. In seinem Wohnzimmer. Dreißig Minuten Zeit für die Einrichtung.» Gut, dachte ich, dann machen wir «Amerika» von Kafka.
Das Vorhaben schien unwirklich, doch...
Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner...
